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Wettlauf um die Schätze am Nordpol
Kanada beansprucht wie Russland Teile der Arktis

Gerd Braune

09.08.2007. Russlands Nordpol-Mission und sein Anspruch auf Hoheit über das Nordpolargebiet hat Kanadas Regierung aufgeschreckt. Seit Jahren bekräftigt Ottawa den Anspruch auf Inselwelt und Wasserstraßen der Arktisregion. Der Besuch von Premierminister Stephen Harper in einigen Arktisgemeinden kommende Woche hat durch die russische Expedition an Bedeutung gewonnen.

Kanada versteht sich als das arktische Land schlechthin. In der Hymne wird es als "der wahre Norden, stark und frei" besungen. "Kanada hat keine Wahl, wenn es darum geht, unsere Souveränität über die Arktis zu verteidigen. Entweder wir nutzen sie oder wir verlieren sie", sagte Harper, als er jüngst den Kauf von acht Patrouillenbooten für das Eismeer bekannt gab.

Dass Kanadas Souveränität auch den geografischen Nordpol umfasst, wird zwar nie ausdrücklich gesagt. Die Landkarten aber unterstreichen den Anspruch. Die Landesgrenzen verlaufen in Verlängerung der Grenzen zwischen Alaska und dem Yukon-Gebiet im Westen und zwischen der kanadischen Ellesmere-Insel und Grönland im Osten und treffen sich im geografischen Nordpol. Somit beansprucht Kanada das Meeresgebiet zwischen Nordpol und arktischen Inseln.

"Kanada muss bereit sein, seine Interessen in der Arktis zu schützen", fordert Rob Huebert, Professor für strategische Studien an der Universität Calgary, der seit Jahren auf die mit dem Klimawandel und dem Interesse an Rohstoffen einhergehenden Veränderungen in der Arktis aufmerksam macht. Die Ankündigung der Konzerne Exxon Mobil und Imperial Oil, Millionen für Fördergenehmigungen in der Beaufort-See zu investieren, mache deutlich, dass Öl- und Gasunternehmen sich auf Entwicklungsprojekte in der Arktis vorbereiten.

Zudem versuchten Russland, Kanada, Dänemark und die USA gleichermaßen, ihren Anteil am arktischen Festlandssockel zu bestimmen. Kanada müsse jetzt nach der Seerechtskonvention beweisen, dass die Ausdehnung der Landmasse unter der Wasseroberfläche zu seinem Territorium gehört - was Russland für den Lomonossow-Rücken beweisen will.

Im Boden des Eismeeres werden riesige Öl- und Erdgasvorkommen vermutet, ferner Lagerstätten für Rohstoffe wie Nickel oder Gold. Für Kanada geht es somit um die wirtschaftliche Ausbeutung des Meeres. Es geht aber auch um Schifffahrtswege: Mit dem Schmelzen des arktischen Eises durch den Klimawandel kann die Nordwestpassage durch Kanadas Inselwelt für die Schifffahrt interessant werden. 23 000 Kilometer lang ist der Seeweg von Europa nach Asien durch den Panama-Kanal. Durch die Nordwestpassage wären es nur 16 000 Kilometer.

Kanadas Militärs befürchten, dass der Seeweg durch die Arktis bereits um 2015 so weit eisfrei sein könnte, dass sich eine ungeschützte Flanke im Norden öffnet. Kein Land hat eine so lange Küstenlinie wie Kanada. Das dünn besiedelte Gebiet - im zwei Millionen Quadratkilometer großen Nunavut, zu dem die Inseln der Nordwestpassage gehören, leben nur 30 000 Menschen - bietet Schutz für illegale Migration, Drogen- und Waffenschmuggel.

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