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"Mel Zelaya kommt zurück"
Klaus Ehringfeld 05.07.2009. Sieben Männer und zwei Frauen treten im Sekundenrhythmus ans Mikrofon und sprechen den Eid auf die Verfassung von Honduras. Nach fünf Minuten ist die Zeremonie im Ovalen Büro des Präsidentenpalastes in Tegucigalpa beendet und das Kabinett des neuen Machthabers Roberto Micheletti komplett. Der kleine weißhaarige Mann mit der zackigen Rhetorik hat keine Zeit zu verlieren. Schließlich soll die Weltöffentlichkeit wissen, dass sich das kleine Honduras nicht vom großen internationalen Druck einschüchtern lässt. Es ist Tag fünf nach dem Putsch, der das Land über Nacht ins Zentrum der lateinamerikanischen Politik gerückt hat. Der gewählte Präsident Manuel Zelaya, den Soldaten am vergangenen Sonntag vor Morgengrauen im Pyjama in ein Flugzeug steckten und ins Exil verbannten, will an diesem Wochenende in Begleitung von zwei Präsidentenkollegen in die Heimat zurückkehren. Hier haben die neuen Herren 23 Haftbefehle gegen ihn ausgestellt, von Drogenhandel bis Hochverrat reichen die Vorwürfe. Ein Showdown bahnt sich an. Während De-facto-Präsident Micheletti im klimatisierten Ovalen Büro seinen Staatsstreich vollendet, wischt sich Zeneida Álvarez den Schweiß von der Stirn. Die 70 Jahre alte Rentnerin hat im Schatten eines Hauses im Zentrum der Hauptstadt Zuflucht vor der Sonne gesucht und gönnt sich eine Pause. Seit dem Morgen ist sie mit ihrem Sohn unterwegs, um gemeinsam mit Tausenden anderen Menschen gegen den Staatsstreich zu protestieren - obwohl die Regierung Versammlungen verboten, oppositionelle Radio- und Fernsehsender geschlossen und so gefährliche Oppositionelle wie den Zeitungskarikaturisten Alan McDonald außer Landes geschafft hat. Jedes zweite Haus an der Obispo-Straße ziert ein Graffiti: "Putschisten raus" oder "Mel kommt zurück". "Mel Zelaya hat sich an die Armen erinnert", sagt Álvarez. "Deswegen haben sie ihn gestürzt. Weil er für uns etwas getan hat." Zelaya, Sohn einer Familie von Großgrundbesitzern, hatte sich als Präsident zur allgemeinen Überraschung von einem Rechtsliberalen zu einem Linken gewandelt. Als er Anfang des Jahres den Mindestlohn von 3 500 auf 5 500 Lempiras - umgerechnet 206 Euro - anhob, feierten ihn zwar die Armen, aber die Oligarchie senkte endgültig den Daumen über den Abtrünnigen. "Unser Land war immer schon geteilt, aber der Putsch hat den tiefen Graben erst richtig offengelegt", sagt der Filmemacher Walter Hernandez, während er sich die vom Tränengas der vergangenen Tage noch blutunterlaufenen Augen reibt. "Ein bis zwei Prozent der Elite kontrollieren 90 Prozent der Wirtschaft, und die große Masse der Menschen hat nicht genug zu essen. Hier sind alle Voraussetzungen für eine Revolution gegeben." An diesem Sonnabend müsse sich das Schicksal des Landes entscheiden, sagt Hernandez: "Wenn Zelaya nicht an die Macht zurückkommt, ist zwischen Bürgerkrieg und völliger Apathie alles möglich." Nur an eines glaubt er nach den Ereignissen der vergangenen fünf Tagen nicht mehr: "Eine Versöhnung unter uns Honduranern wird für sehr lange Zeit unmöglich sein." |
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