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Kaum ein Land hat so viele Diktatoren erdulden müssen wie Haiti. Nach der Unabhängigkeit von Frankreich (1804) dauerte es 192 Jahre, bis ein ordentlich gewählter Präsident sein Amt einem ebenfalls gewählten Nachfolger übergeben konnte. Entdeckt wurde die karibische Insel Hispaniola, deren westliches Drittel Haiti ausmacht (im Osten liegt die Dominikanische Republik), 1492 von Kolumbus. Über die westliche Küste Hispaniolas fielen bald immer wieder französische Piraten her- bis Spanien den Westteil 1697 an die Franzosen abtrat. Die machten daraus, vor allem mit Hilfe afrikanischer Sklaven, eine blühende Kolonie. Doch die Französische Revolution verlangte auch in Übersee ihren Tribut: 1794 begannen die Sklaven, sich gegen ihr Schicksal zu wehren und errangen die Unabhängigkeit. 1822 Zusammenschluß mit dem Osten Hispaniolas, aus dem die heutige Dominikanische Republik aber schon 1844 wieder ausscherte. In der Folgezeit wirtschaftliche- und militärische- Dominanz der USA, die Haiti von 1915- 34 besetzt hielten und bis 1947 finanziell kontrollierten. 10 Jahre später wurde der Arzt Francois ("Papa Doc") Duvalier zum Staatschef gewählt- ein tyrannischer Diktator, der seine Macht auf eine brutale Geheimpolizei ("Tontons Macoutes") stützte. Die meisten wohlhabenden und gebildeten Haitianer verließen das Land, Haiti wurde zum Armenhaus der westlichen Hemisphäre- und blieb es bis heute: Geschätzte 70% Arbeitslosigkeit, 1 Arzt für 10000 Einwohner, die Mehrheit der Bevölkerung lebt in absoluter Armut. Nach Papas Tod 1971 übernimmt der ebenso tyrannische Sohn ("Baby Doc") Jean- Claude, damals 19, die Macht. 1986 putscht das Militär und etabliert nach einander mehrere brutale, inkompetente und sehr kurzlebige Regierungen. 1990 wird der im Volk beliebte katholische Priester Jean- Bertrand Aristide zum neuen Präsidenten gewählt, aber von den Militärs schon 7 Monate später wieder aus dem Amt geputscht. 1994 kehrt er aus den USA mit UNO- Schutz (20.000 US-Soldaten) zurück und ersetzt das Militär durch eine zivile Polizei. 1996 übergibt er die Macht an seinen gewählten Nachfolger. Seit 1997 gehen die Haitianer wieder auf die Straße und demonstrieren gegen die vom IWF erzwungene Teilprivatisierung defizitärer Staatsbetriebe und gegen Entlassungen im öffentlichen Dienst. Sie fürchten noch größere Armut. Angesichts der zunehmend instabilen Lage in Haiti haben sich die USA indirekt für eine Aufstockung der internationalen Truppen in dem Karibikstaat ausgesprochen. Die Uno müsste überprüfen, ob die Truppen angemessen aufgestellt seien, sagte US-Außenministerin Condoleezza Rice der Zeitung The Miami Herald am 05.06.2005. Zudem müsse die internationale Gemeinschaft vermutlich stärker Hilfe bei der Vorbereitung der für den Herbst geplanten Kommunal-, Parlaments- und Präsidentschaftswahlen leisten. Bei einem Einsatz der haitianischen Polizei in der Hauptstadt Port-au-Prince wurden am 04.06.2005 mehrere Menschen getötet. Bei gewalttätigen Protesten gegen steigende Lebensmittelpreise sind in Haiti nach Behördenangaben seit dem 05.04.2008 mehrere Menschen getötet worden. Zahlreiche Personen seien verletzt worden, berichtete eine Sprecherin der internationalen Stabilisierungstruppe (Minustah) am Samstag. Bereits am Donnerstag und Freitag habe es in einigen Städten, darunter in Gonaives und Les Cayes, Demonstrationen gegeben. In Les Cayes seien die Proteste in Gewalt umgeschlagen. Dort wurde den Angaben zufolge bei Demonstrationen mit bis zu 2000 Teilnehmern ein Demonstrant getötet, 16 erlitten Stichwunden durch Messer und Macheten. Die haitianischen Behörden sprachen am Samstag von vier Toten. Die Minustah schickte Polizeieinheiten zur Verstärkung der lokalen Polizei in die Stadt im Süden Haitis, wo bis auf weiteres eine nächtliche Ausgangssperre verhängt wurde. Premierminister Jaques Edouard Alexis äußerte am Freitagabend in der Hauptstadt Port-au-Prince Verständnis für friedliche Demonstrationen. Er verurteilte aber die Gewalt, weil diese den Kampf der Regierung gegen Korruption und Drogenhandel erschwere. Haitis Staatschef René Préval ist mit seinem Vorschlag für das Amt des Ministerpräsidenten am Widerstand des Parlaments gescheitert. Eine Mehrheit von 51 Abgeordneten stimmte am 13.05.2008 gegen die Einsetzung von Ericq Pierre als Regierungschef. Damit verschärfte sich die politische Krise in Haiti, wo im April Ministerpräsident Jacques-Edouard Alexis in Folge von Hungerunruhen abgesetzt worden war. |
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