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Ex-Guerilla auf dem Sprung an die Macht 
El Salvador wählt einen neuen Präsidenten

Klaus Ehringfeld

14.03.2008. Wer in El Salvador die Zeitung aufschlägt, betritt mediales Kriegsgebiet. Kein Tag vergeht, ohne dass die beiden führenden Blätter ganze Breitseiten auf Mauricio Funes abfeuern: Von illegaler Wahlkampffinanzierung und Verbindungen zu Venezuelas Staatschef Hugo Chavez ist die Rede; Unternehmer malen in Interviews Horrorszenarien aus für den Fall, dass bei der Präsidentenwahl am Sonntag die Linkspartei FMLN und ihr Kandidat Funes tatsächlich gewinnen sollten. Dass die Vorwürfe meist pure Verleumdungen und Verunglimpfungen sind, stört nicht. Im Wahlkampf scheint eben alles erlaubt - selbst Fernseh-Spots, in denen der Vizepräsidentschaftskandidat der FMLN als Massenmörder bezeichnet wird.

Es scheint, als ginge 17 Jahre nach Ende des Bürgerkriegs der Konflikt zwischen Linksguerilla und Ultrarechten mit unverminderter Härte weiter. Geändert haben sich nur die Mittel: Worte statt Waffen. Und wie im Krieg, der zwischen 1980 und 1992 rund 75 000 Menschen das Leben kostete, so sind auch in diesem Wahl-Kampf die Waffen ungleich verteilt. Die Medien, in Händen der wirtschaftlichen und politischen Elite des Landes, stehen treu zur Regierungspartei Arena, die einst von Offizieren der früheren Militärdiktatur gegründet wurde und seit 20 Jahren regiert. Eine "extreme Schmutzkampagne, vor allem von Seiten der regierenden Partei und ihrer Unterstützer" konstatiert José Antonio de Gabriel, Vize-Chef der EU-Beobachtermission.

Am Sonntag stehen sich die Kriegsgegner von damals zum fünften Mal seit Unterzeichnung des Friedensvertrags als politische Parteien gegenüber, und die ehemalige Linksguerilla FMLN hat eine realistische Chance, erstmals an die Macht zu kommen. Laut Umfragen wollen zwei Drittel der Salvadorianer einen Regierungswechsel. Noch immer verlassen 500 Menschen täglich aus Mangel an Perspektiven ihr Land in Richtung USA - auf der Suche nach Arbeit und Auskommen.

Die Arena schickt mit dem 44 Jahre alten Ex-Polizeichef Rodrigo Ávila einen eher farblosen Kandidaten ins Rennen. Sein Herausforderer Funes dagegen ist ein politischer Quereinsteiger. Erst vor einem halben Jahr trat der beliebte Fernsehjournalist der FMLN bei. Anders als Teile der Parteiführung, die enge Kontakte zu Venezuelas Präsident Chavez unterhalten, vertritt er betont gemäßigte Positionen. "Ich orientiere mich viel eher an Brasiliens Präsident Lula da Silva", sagt der 49-Jährige im Gespräch. "Ihm ist es gelungen, den Unternehmern die Angst vor den Linken zu nehmen, Wirtschaftswachstum zu schaffen und die Armut zu bekämpfen.

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