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Das demokratische Costa Rica galt lange als eine Art Musterland Lateinamerikas. Seit 1889 hat das Land eine bürgerliche Regierung, seit 1949 eine bis jetzt gültige Verfassung. Es besteht Wahlpflicht ab 18 Jahren. Der letzte Bürgerkrieg dauerte 1948 gerade mal 44 Tage; danach wurde die Armee aufgelöst und alle Sicherheitsaufgaben der Polizei übertragen. Schulpflicht gibt es seit über 100 Jahren, die Analphabetenrate liegt bei 5%. Als ruhiger Pol in der instabilen Region engagierte sich Costa Rica stark für den Friedensprozeß der Region. 1987 wurde Präsident Oscar Arias dafür mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Doch im nördlichen Grenzland zu Nikaragua, jahrelang Rückzugsgebiet der dortigen Bürgerkriegsparteien, marodierten ehemalige nikaraguanische Contra-Rebellen und aus der Armee entlassene Sandinisten. Überfälle und Geiselnahmen häuften sich und auch der soziale Druck nimmt zu: 14 nikaraguanische Gemeinden wollen zu Costa Rica. Spektakulär war die Entführung einer deutschen Urlauberin und ihrer schweizerischen Reiseleiterin 1996. Trotz Einschaltung des deutschen Außenminister und des damaligen Präsidenten dauerte es Wochen, bis beide Geiseln gegen ein Lösegeld von 200.000 US$ freigelassen wurden. Ein 10-Punkte-Katalog der Geiselnahmen mit Forderungen nach Lohnerhöhungen für Staatsbedienstete oder Preisstopp für Wasser, Strom, Telefon und Nahrungsmittel verdeutlichte ein anderes Problem: viele Staatsbedienstete sind schlecht bezahlt und bestechbar. Zudem wird das Land seit Jahrzehnten von zwei großen Parteien beherrscht, in denen wenige Familien um Regierungsposten und Pfründe kungeln. Mehr als 100.000 Menschen haben in Costa Rica gegen die Privatisierung der staatlichen Strom- und Telefongesellschaft demonstriert. Der friedliche Protestmarsch am 27. März 2000 in der Hauptstadt San Jose wurde landesweit von Straßenblockaden und einem Streik im öffentlichen Dienst begleitet. |
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