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Im Jahr 1500 entdeckten spanische Seefahrer die brasilianische Küste. Nach dem Schiedsspruch von Papst Alexander VI. Aufteilung der Interessensphären zwischen Spanien und Portugal, seit Gründung der Stadt Sao Vicente 1532 systematische Besiedlung durch Portugiesen. 1549 residierte in Bahia ein Vizekönig, vorübergehend war die Kolonie Angriffen von Engländern, Franzosen und Holländern ausgesetzt. Während in der Küstenregion mit Hilfe Tausender aus Afrika zwangsverschleppter Sklaven Zuckerrohr angebaut wurde, drangen von   Sao Paulo aus die Waldläufer ("Bandeirantes") auf der Suche nach Gold und Diamanten bis an die Ausläufer der Anden vor. 1763 verlegte der Vizekönig seinen Sitz von Salvador da Bahia nach Rio de Janeiro. 1808 floh der portugiesische Hof vor dem Einmarsch der Franzosen in Lissabon nach Brasilien. Ein Jahr nach dessen Heimkehr erklärte Brasilien am 7. September 1822 seine Unabhängigkeit. 1825 erkannte Portugal die Unabhängigkeit an. Unter der Herrschaft von Pedro II. wurde 1850 der Sklavenhandel verboten, die Einwanderung von Europäern gefördert, 1888 verfügte das Parlament die Freilassung aller Sklaven. Ein Militärputsch stürzte 1889 die Monarchie, Brasilien wurde Republik und erhielt 1891 eine republikanische und bundesstaatliche Verfassung nach dem Vorbild der USA. Soziale Unruhen in den 20er Jahren und die Folgen der Weltwirtschaftskrise brachten den Liberalen Getulio Vargas 1930 an die Macht. 1937 schaffte er als Präsident die Verfassung ab, verbot alle Parteien und regierte, vom Militär unterstützt, bis zu seinem Sturz 1945. Vargas bewunderte zunächst Hitler und Mussolinis Weltbild. Er übernahm auch die Idee von einer "reinen überlegenen Rasse" und propagierte die "Weißwerdung" als Lösung der brasilianischen Rassenprobleme. Dennoch erklärte er 1942 auf Druck der USA den Krieg gegen Deutschland und ging scharf gegen Deutsche, Deutschstämmige und deren Verbündete vor. Eine demokratische Verfassung wurde 1946 vom Parlament verabschiedet. Vargas, 1951 zum Präsidenten gewählt, beging 3 Jahre später Selbstmord, als das Militär drohte, ihn zu stürzen. Am 1. April 1964 übernahm das Militär nach einem unblutigen Putsch die Macht. Nach Ausnahmezustand und Auflösung des Parlaments sowie Verbot aller Parteien 1968 wechselten sich eine Junta und mehrere Generäle in der Regierung ab. Bis 1974 waren die härtesten Jahre der Diktatur, politische Gegner wurden eingesperrt, gefoltert und ermordet. Im Jahr 1985 wurde Neves Kandidat einer neugegründeten liberalen Allianz für die zivile Präsidentschaft nach 21 Jahren. Doch das Amt mußte Jose Sarney übernehmen, da Neves tödlich erkrankte. Eine neue Verfassung ließ 1988 die Stellung der Militärs unangetastet, kehrte aber zur Direktwahl des Präsidenten zurück. Erster gewählter Präsident wurde 1990 Fernando Collor de Mello. Nach einer Reihe von Korruptionsskandalen erzwang eine starke Bürgerbewegung, gestützt auf die Opposition, 1992 Collors Amtsenthebung. Eine Währungsreform im Juli 1994 reduzierte die bis dahin galoppierende Inflation. Im Oktober wurde der Sozialdemokrat Fernando Henrique Cardaso, Initiator der Währungsreform, mit 54% der Stimmen Präsident. Seit dem Amtsantritt 1995 startete er mit der Privatisierung von Staatsbetrieben ein neoliberales wirtschaftliches Sanierungsprogramm und brachte ein Gesetz auf den Weg, das die Entschädigung der Angehörigen politischer Opfer aus der Zeit der Militärdiktatur vorsieht. Die Kluft von Arm und Reich ist in kaum ein anderes Land der Welt größer, beispielsweise gehören 50% des Nutzlandes 1% der Landwirte. Landlose Arbeiter und ihre Familien, nach Schätzungen 5 Millionen Menschen, von denen viele aktiv für Landreformen eintreten, werden noch immer von Todesschwadronen bedroht und ermordet. Gewerkschafter und Umweltschützer sind Ziel politischer Anschläge, sogar Polizisten verdingen sich als Auftragskiller. In Großstädten wie Rio, Sao Paulo oder Belo Horizonte sind Gewalt, Mord und Kidnapping an der Tagesordnung; viele Mörder gehen straflos aus. Brasilien ist wichtiges Transitland für Kokain aus den Andenländern. Der Armut und Kriminalität will die Regierung mit dem Stabilisierungsprogramm Plano Real und einer umfassenden Justizreform begegnen. Vertreter von fünf Indianervölker Brasiliens setzen ihre Proteste gegen die neue Regierung von Staatschef Luiz Inacio "Lula" da Silva fort. Der Indianermissionsrat CIMI forderte am 07.07.2003 in Brasilia die sofortige Festlegung von Indianergebieten.

Nach einem 17-tägigen Protestmarsch haben mehr als 12 000 Bauern das Zentrum der brasilianischen Hauptstadt Brasilia erreicht. Bei Demonstrationen am 16.05.2005 vor dem Kongress und den Ministerien forderten sie Agrarreformen und warfen Präsident Luiz Inacio Lula da Silva vor, seine Versprechungen nicht gehalten zu haben. Präsident Silva, der 2003 mit Unterstützung der Bewegung Landloser Landarbeiter MST Präsident wurde, hatte 400 000 Familien Land versprochen. Nach Regierungsangaben wurde seit seinem Amtsantritt an 117 55 Familien Land verteilt, die MST spricht von 81 000. Brasilien hat eine im internationalen Vergleich extrem ungleiche Verteilung von Landbesitz: 3,5 Prozent der Bevölkerung gehören 56 Prozent des fruchtbaren Landes. Den ärmsten 40 Prozent gehören nur 1 Prozent.

In der Korruptionsaffäre um die brasilianische Regierung müssen 18 Abgeordnete mit dem Verlust ihrer Mandate rechnen. Die Parlamentarier werden in einem am 08.09.2005 veröffentlichten parlamentarischen Untersuchungsbericht genannt. Gegen alle erhebt der Bericht Korruptionsvorwürfe. Sie sollen für Abstimmungen bestochen gewesen sein. Der prominenteste der Parlamentarier ist der parteiintern einflussreiche Ex-Parteichef der sozialistischen Arbeiterpartei (PT) von Präsident Lula da Silva, José Dirceu, eine der zentralen Figuren der Korruptionsaffäre.

Auf der Liste stehen demnach sieben Abgeordnete der PT, vier aus den Reihen der konservativen Fortschrittspartei (PP), drei liberale Abgeordnete (PL) sowie zwei Abgeordnete kleiner Parteien. Alle Beschuldigten bis auf einen gehören Parteien der Regierungsallianz an. Ebenfalls auf der Liste steht PL-Chef Valdemar Costa Neto, der jedoch bereits vor rund einem Monat sein Mandat niedergelegt hatte.

Bei den Affären in der brasilianischen Regierung geht es um Korruption, Stimmenkauf, schwarze Konten und Briefkastenfirmen. Zahlreiche ranghohe Politiker waren in den vergangenen Wochen zurückgetreten.

Das Vermögen des brasilianischen Präsidenten Luis Inacio Lula da Silva hat sich seit seiner Wahl zum Staatschef im Jahr 2002 fast verdoppelt. Lula komme auf umgerechnet 300 400 Euro, gab das Wahlgericht am 06.07.2006 bekannt. Damit ist er der reichste Kandidat für die Präsidentschafts- und Parlamentswahl im Oktober. Die Meldung der Vermögensverhältnisse vor der Wahl ist Pflicht. Lula bezieht nach amtlichen Angaben ein Monatsgehalt von 4000 Dollar und zusätzlich eine Monatspension von 2000 Dollar. Seine Arbeiterpartei wies darauf hin, das Vermögen ihres Kandidaten sei nur deshalb so groß, weil er so viel gespart habe.

In Brasilien droht 72 Kongressmitgliedern ein Disziplinarverfahren wegen Korruption. Drei Senatoren und 69 Abgeordneten müssten sich deswegen vor dem Ethikrat des Parlaments verantworten, teilte der zuständige parlamentarische Ausschuss am 10.08.2006 in der Hauptstadt Brasilia mit.


Hintergundberichte:

22.10.2008 Ein bunter Bürgermeister für Rio de Janeiro - Fernando Gabeira hat gute Chancen bei der Stichwahl
24.01.2008 Lieber Rind als Regenwald - Amazonasgebiet Brasiliens wird im Rekordtempo abgeholzt
28.08.2007 Brasiliens Justiz klagt Lulas Vertrauten an - Ex-Chef der Präsidialkanzlei unter Korruptionsverdacht

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