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Ein bunter Bürgermeister für Rio de Janeiro 22.10.2008. So gut die Chancen von Fernando Gabeira auch stehen, am Sonntag zum Bürgermeister von Rio de Janeiro gewählt zu werden - grün wird Rio dadurch nicht. Gabeira gehört zwar zu den Gründungsvätern der brasilianischen Grünen, und die homöopathischen Dosen an grünem Gedankengut, die in die politische Kultur Brasiliens Eingang gefunden haben, hat er verabreicht. Dennoch sind die Grünen in Brasilien ziemlich unwichtig. Der 67-jährige Gabeira hätte in praktisch jeder Partei sein können - er hat es nicht als Grüner, sondern als Gabeira in die Stichwahl um das höchste Amt in der Fünf-Millionen-Metropole geschafft. Dass er keine markante Figur sei, können auch seine Gegner nicht behaupten. Die Wohnung des jungen, talentierten Journalisten war 1969 das Gefängnis von Charles Elbrick, des US-Botschafters, den die linke Guerilla-Gruppe MR-8 entführt hatte. Wie alle an dem spektakulären Schlag Beteiligten, wurde auch Gabeira bald ergriffen. Er kam 1970 frei - im Austausch gegen den entführten deutschen Botschafter Ehrenfried von Holleben. In Kuba kritisierte er Castro als Diktator, aus Chile musste er wegen Pinochets Putsch 1973 türmen. Im schwedischen und italienischen Exil arbeitete er als U-Bahn-Fahrer, Friedhofsgärtner und Journalist, und er fand offenkundig Gefallen am flippigen, libertinären Lebensstil Europas. Als Gabeira 1979 nach Brasilien zurückkehrte, stand er sofort im Brennpunkt der Öffentlichkeit. Einerseits wegen einer Autobiografie über seine Guerilla-Jahre, die zum Bestseller wurde. Andererseits wegen des winzigen Bikini-Höschens seiner Cousine, das der geradezu unverschämt gut aussehende Enddreißiger am Strand von Ipanema trug. Das war ein Skandal in Brasilien, wo der europäische Nudismus nie eine Anhängerschaft fand und die Männer-Badehosen sogar heute noch bis an die Kniekehlen reichen. Den Erfolgen der journalistischen Profession - als in Berlin 1989 die Mauer fiel, war er zum Beispiel vor Ort - folgten die politischen. Auch wenn Gabeiras Vorstöße zur Legalisierung von Marihuana, zur Professionalisierung der Prostitution oder zur Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebensformen in Brasilien als radikal abgetan oder als exotisch belächelt wurden - als Kongressabgeordneter gewann der bekennende Bisexuelle seit 1994 zunehmend Ansehen und Respekt. Obwohl er versucht hat, die Jahre des Exils für seine Pension geltend zu machen, gilt er als unbestechlicher Kämpfer gegen die Korruption. Selbst das rechtsgerichtete Magazin "Veja" lobte ihn als Kopf der "ethischen Linken" über den grünen Klee. Bei den erzwungenen Rücktritten der Präsidenten beider Parlamentskammern stand er im Vordergrund - sein Ausruf "Eure Exzellenz sind eine Schande für das Land!" wurde in Brasilien zu einem geflügelten Wort. Gabeira zu wählen, sei Verrat an Präsident Lula, so warnt Lulas Arbeiter-Partei PT. Tatsächlich kandidiert Gabeira für ein Mitte-Rechts-Bündnis, und dennoch übt er, der ursprünglich aus der PT kommt, eine beträchtliche Faszination auf Linkswähler aus. Kein Wunder: Die PT macht sich in Rio ausgerechnet für Gabeiras Konkurrenten Eduardo Paes stark. Der ist zweifellos ein richtiger Rechter - aber seine Partei PMDB stützt Lula auf Bundesebene. |
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