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Ruhmreich ist an Bolivien vor allem der Name, er rührt von Simon Bolivar her, dem Freiheitskämpfer und Nationalhelden, dem viele Staaten Südamerikas ihre Unabhängigkeit verdanken. Von diesen allerdings ist Bolivien eines der ärmeren. Dort ist die Wirtschaft rückständiger und unterentwickelter als in den Nachbarländern, die Menschen sind ärmer, die medizinische Versorgung und die sanitären Verhältnisse sind vielfach schlimmer. Vor allem die Indianer in den abgelegenen Hochtälern der Anden führen ein erbärmliches Leben. Im Departement Cochabamba zum Beispiel gibt es keine Straßen, jedes vierte Kind stirbt, ehe es 5 Jahre alt wird (weshalb die Eltern ihrem Nachwuchs oft erst jenseits der heiklen Altersgrenze einen Namen geben). Während der 173 Jahre seit der Unabhängigkeit verbrauchte das Land fast 200 Regierungen bzw. Militärdiktatoren (Hugo Banzer war einer de bekanntesten). Demokratische Verhältnisse gibt es erst seit 16 Jahren. Die Regierung unter Gonzalo Sanchez de Lozada, von 1993 bis 1997 im Amt, hatte ein umfassendes Reform- und Privatisierungsprogramm beschlossen, das die Lage zu stabilisieren scheint - obwohl Hugo Banzer 1997, diesmal in einer demokratischen Wahl, die Rückkehr an die Macht gelang. Eine Reihe verlorener Kriege hat das Land systematisch verkleinert und wichtiger Gebiete beraubt: Im Salpeterkrieg (1879 - 1883) zwischen Chile, Bolivien und Peru verlor Bolivien nicht nur wichtige Rohstoffelder, sondern mit Antofagasta, das an Chile abgetreten werden mußte, auch den Zugang zum Pazifik; 1903 wurde die Acre-Provinz Brasilien überlassen; im Chaco-Krieg (1932 - 1935) schließlich ging das Chaco-Borela-Gebiet an Paraguay. Die Erdöl- und Erdgasfelder im Süden blieben dem Land aber wenigstens erhalten.

Boliviens Präsident Evo Morales hat den Weg zu einer Verfassunggebenden Versammlung und mehr regionaler Autonomie geebnet. Er unterzeichnete in La Paz entsprechende Gesetze, wie die Zeitung La Razon am 07.03.2006 berichtete. Demnach werden am 2. Juli die 255 Mitglieder der Verfassunggebenden Versammlung gewählt. Zudem wird über eine Autonomie der neun Provinzen abgestimmt. Noch 2005 hatten die Spannungen um eine Autonomie der wohlhabenden Provinz Santa Cruz und um eine Neuausrichtung der Energiepolitik Bolivien an den Rand eines Bürgerkrieges gebracht.

Der linksgerichtete bolivianische Präsident Evo Morales hat mit seinem Projekt einer neuen Verfassung am 01.09.2008 einen herben Rückschlag hinnehmen müssen.

Die zentrale Wahlbehörde lehnte es ab, das von Morales für den 7. Dezember angesetzte Referendum über den Text der neuen Verfassung zu organisieren.

Für dieses sowie ein parallel geplantes Referendum über die Verwendung staatlicher Ländereien bedürfe es einer Entscheidung des Parlaments, teilte der Präsident der Wahlbehörde, José Luis Exeni, weiter mit. Morales hatte die Abstimmungen per Dekret angesetzt. Zudem sei die Frist von 120 Tagen für die ebenfalls am Tag des Referendums geplante Neuwahl von Präfekten für La Paz und Cochabamba nicht eingehalten worden.


Hintergrundberichte:

27.01.2009 Präsident geht nach Sieg auf Gegner zu
24.01.2009 Bolivien stimmt über neue Verfassung ab - Indianische Bevölkerung soll am Wohlstand teilhaben
11.08.2008 Evo Morales siegt - seine Gegner auch - Referendum zementiert die Spaltung Boliviens
08.08.2008 Die Stunde der Wahrheit für Evo Morales - Referendum über den Verbleib des Präsidenten
05.05.2008 Boliviens reicher Osten koppelt sich ab - Staatspräsident Morales erkennt den Ausgang des Autonomie-Referendums in Santa Cruz nicht an

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