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1776 errichteten die Spanier das Vizekönigsreich Rio de Plata. 1816 erklärten die "Vereinigten Provinzen von Südamerika" die Unabhängigkeit. Den darauf folgenden Bürgerkrieg gewannen die Föderalisten. Ihr Anführer Juan Manuel de Rosas schwang sich 1835 zum Diktator auf, ließ aber den Provinzfürsten Handlungsfreiheit. Paradoxerweise trug er so zur Bildung eines Einheitsstaates bei, den der Diktator nicht wollte. Ein Jahr nach seinem Sturz gab sich Argentinien 1853 die erste freie Verfassung. Starke Einwanderungen aus Europa in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts führten zu starker wirtschaftlicher Entwicklung. Zunächst kam sie den Großgrundbesitzern zugute, bald aber verstärkten sich Forderungen nach Demokratisierungen und Parteien wurden gegründet. 1912 wurde die allgemeine Wahlpflicht für Männer (Frauen erst 1947) eingeführt. 1943 übernahm das Militär die Macht und 1946 gewann Oberst Juan Domingo Peron, Minister der Militärregierung, freie Wahlen. Obwohl seine Präsidentschaft starke diktatorische Züge hatte, war er bei den Arbeitern sehr beliebt. Seine Frau Eva Duarte, genannt Evita, wurde als Wohltäterin der Armen, der "descamisados" (Hemdlosen) wie eine Heilige verehrt. Als sie 1952 starb, verlor ihr Witwer mehr und mehr die Macht. 1955 wurde er durch eine Militärrevolte gestürzt. Daraufhin wechselten zivile und militärische Regierungen. 1976 putschte das Militär und eine Junta unter Befehl von Jorge Videla übernahm die Macht. In den folgenden Jahren verschwanden nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen 30.000 Menschen spurlos, sie wurden gefoltert und getötet, ohne daß die Angehörigen von ihrem Schicksal erfahren durften. Erst als die Wirtschaft 1981 in eine Rezession abrutschte, wurde es für das Regime gefährlich. Zur Ablenkung besetzte der damalige Juntachef Galtieri 1982 die britischen Falkslandinseln. Die britischen Truppen brachten den Argentiniern eine schwere Niederlage ein, die das Ende der Militärjunta besiegelte. Nach einer recht erfolglosen Regierungszeit unter Raul Alfonsin gewann 1989 Carlos Menem mit dem Versprechen von Lohnerhöhungen die Wahl. Es war die erste reguläre Machtübergabe seit 1928. Der neue Präsident überraschte mit einem Schwenk auf eine neoliberale Wirtschaftsreform. 1990 amnestierte er die inzwischen verurteilten Menschenrechtsverbrecher, obwohl die Mehrheit der Bevölkerung dagegen war. Doch weil die Wirtschaft florierte, gelang es Menem, 1995 wiedergewählt zu werden - nachdem er durch eine Verfassungsänderung seine erneute Kandidatur ermöglicht hatte. Öffentliche Geständnisse einiger Folterer nötigten den Chefs der Streitkräfte und der katholischen Kirche Entschuldigungen für ihre Beteiligung ab. Eine Reihe von Korruptionsskandalen im Umfeld der Regierung und der nächsten Umgebung des Präsidenten haben indes Menems Ansehen geschwächt.  Die seit 1989 unter Carlos Menem (64) regierenden Peronisten mussten bei der Präsidentschaftswahl am 24.10.1999 die schwerste Niederlage ihrer Geschichte hinnehmen. Neuer Präsident wird der Kandidat der Mitte-Links-Allianz, Fernando de la Rua (62). Er erhielt rund 49% der Stimmen. Der Peronist Eduardo Duhalde (58) kam nur auf 37%. Wahlsieger de la Rua, bislang Bürgermeister der Hauptstadt Buenos Aires, versprach eine Politik des sozialen Ausgleichs. Im Wahljahr war die Arbeitslosenrate rezessionsbedingt auf 14,5% gestiegen (1998: 12,8%). Präsident Menem durfte nicht mehr für eine dritte Amtszeit in Folge kandidieren. Er wolle sich aber 2003 erneut zur Wahl stellen, erklärte er. Menem wurde 1989 zu einer sechsjährigen und 1995 zu einer vierjährigen Amtszeit gewählt. In der Verfassung wurde bei der Verkürzung der Amtszeit verankert, dass nur einmal die direkte Wiederwahl des Amtsinhabers erlaubt ist.

Der frühere argentinische Präsident Carlos Menem ist am 07. Juni 2001 während eines Verhörs in der Staatsanwaltschaft von Buenos Aires verhaftet worden. Der 70-Jährige wird beschuldigt, während seiner Amtszeit (1989-99) als "Kopf einer illegalen Vereinigung" einen Waffenschmuggel nach Kroatien und Ecuador organisiert und sich daran bereichert zu haben. Menem hatte vor dem Verhör seine Unschuld beteuert: "Ich habe kein einziges Mal gegen die Verfassung oder die Gesetze verstoßen", sagte er.

Der peronistische Politiker, der erst kürzlich eine Fernsehmoderatorin aus Chile geheiratet hatte und nach Paris und Syrien in die Flitterwochen reisen wollte, hatte der richterlichen Vorladung in Begleitung seiner Partnerin Cecilia Bolocco Folge geleistet. Er musste Stellung nehmen zu 200 Fragen, die ihm Staatsanwalt Carlos Stornelli zum Waffenschmuggel vorlegte. Im Laufe des Verhörs wurde der Ex-Präsident davon unterrichtet, dass er verhaftet sei.

Es ist das erste Mal in der Geschichte Argentiniens, dass in demokratischen Zeiten ein früherer Staatspräsident zur Rechenschaft gezogen wird. In derselben Angelegenheit wurden bereits Menems Schwager Emir Yoma, sein Verteidigungsminister Erman Gonzalez sowie am 05. Juni 2001 Ex-Heereschef Martín Balza verhaftet. Ermittelt wird auch gegen den damaligen Außenminister Guido Di Tella. Menem darf auf Grund seines fortgeschrittenen Alters die Untersuchungshaft in Form von Hausarrest verbringen.

1991 und 1995 hatte die Menem-Regierung mit Geheimdekreten die Ausfuhr von 6 500 beziehungsweise 75 Tonnen argentinischen Kriegsmaterials nach Kroatien und Ecuador bewilligt. Da beide Staaten zu jenem Zeitpunkt als Krieg führende Nationen einem UN-Waffenembargo unterlagen, gab die Regierung falsche Endbestimmungsländer an: Venezuela und Panama, wobei Letzteres gar keine Armee unterhält. Im Anschluss an den illegalen Waffenhandel sind in Argentinien 600 Millionen Dollar des Verkaufserlöses verschwunden.


Aktuelles: Argentinien hat seinen Anspruch auf die Falkland-Inseln bekräftigt. In einer am 03.01.2007 veröffentlichten Mitteilung erklärte das Außenamt in Buenos Aires, die Übernahme der Kontrolle über die Inselgruppe sei ein "ständiges und unveränderbares Ziel" der argentinischen Regierung. Das Ministerium äußerte sein Unverständnis darüber, dass Großbritannien nicht zu Verhandlungen über die Gebietsforderung Argentiniens bereit sei.

Die argentinische Ex-Präsidentin Isabel Peron wird nach Angaben ihres Anwalts vom 22.01.2007 in den kommenden Tagen in Madrid vor Gericht erscheinen, um über den neuen internationalen Haftbefehl gegen sie unterrichtet zu werden. Zuvor hatte ein Richter in Argentinien einen neuen Haftbefehl ausgestellt, um die Auslieferung der 75-Jährigen aus dem Exil in Spanien zu erreichen. Argentiniens Justiz will Perons Verantwortung für die Verbrechen der rechtsgerichteten Todesschwadron Triple A während ihrer Präsidentschaft von 1974 bis 1976 untersuchen.

Hintergundberichte:

29.06.2008 Kochtopf-Konzerte für Argentiniens - Präsidentin  Cristina Kirchner hat es sich mit den Bauern verscherzt
11.022008 Die Teilzeit-Präsidentin - Argentiniens Medien wundern sich über die kurzen Arbeitstage der neuen Staatschefin Cristina Kirchner
29.10.2007 Das Präsidentenamt bleibt in der Familie - Die Argentinier wählen ihre bisherige First Lady Cristina Fernandez zum Staatsoberhaupt
25.10.2007 Plätzetausch im Königshaus K. - In Argentinien finden am Wochenende Präsidentschaftswahlen statt. Siegen wird wohl Cristina Kirchner, die Ehefrau des amtierenden Staatschefs

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