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In der Antike war Karthago eine der bedeutendsten Städte im Mittelmeerraum,
zog Hannibal mit Elefanten über die Alpen und machte sich Rom zum Feind: "Ceterum
censeo Carthaginem esse delendam" forderte Cato der Ältere - und 146 v. Chr. machten die Römer Kathagao dem Erdboden gleich. Nach 439 war das Land Mittelpunkt des Wandalenreiches, das 533 an Ost-Rom fiel und später von den Arabern erobert wurde. 1535 eroberte der habsburgische Kaiser Karl V. Tunis, um
der sarazenischen Piraterie ein Ende zu setzen, mußte aber bald wieder abziehen. 1574 von den Türken erobert, blieb Tunesien jahrhundertelang im
osmanischem Besitz, bis Frankreich das Land 1881 zum
Protektorat machte. Erster Staatspräsident nach der Unabhängigkeit 1956
wird Habib Burgiba. 1969 Assoziierungsabkommen mit
der EG, das 1976 in ein Kooperationsabkommen umgewandelt
wird. 1977 starke soziale Spannungen und Generalstreik. Die
Lage beruhigt sich erst 1981 mit der Abkehr vom
Einparteiensystem, als - nach 18 Jahren Verbot - die KP wieder zugelassen wird. 1984 Einweihung des mit chinesischer Hilfe erbauten Medjerda-Kap
Bon-Kanals. 1985 zerstört Israels Luftwaffe das
PLO-Hauptquartier bei Tunis; es gibt zahlreiche Tote. Staatspräsident Burgiba,
mittlerweile 84, wird 1987 abgesetzt, sein Nachfolger Ben
Ali wird bei den folgenden Wahlen mit großen Mehrheiten bestätigt - 1994 mit 99,9%. Zain al-Abidin Ben Ali (63) wurde am
25.10.1999 mit einem Stimmenanteil von 99,42% für eine
weitere fünfjährige Amtszeit wiedergewählt. Bei den gleichzeitig abgehaltenen
Parlamentswahlen siegte die regierende Demokratische Verfassungspartei mit einem
Stimmenanteil von 91,59%. Sie erhält in der neuen Nationalversammlung 148 von 182 Sitzen.
Den sechs erlaubten Oppositionsparteien im Land, die weniger als 10% der Stimmen
erhielten, steht gemäß Verfassung ein Fünftel der Parlamentssitze zu. Deshalb zieht sie
mit 34 Abgeordneten in die Volksversammlung ein. Bei einem Terrorangriff auf die Synagoge in Djerba kamen 15 Menschen, darunter 10 Deutsche, 4 Tunesier und 1 Franzose ums Leben. Aktuelle Entwicklung: Tunesiens Präsident Zine El Abidine Ben Ali kann auf eine erfolgreiche Woche zurückblicken. Angeblich mehr als 99 Prozent der Wähler votierten für eine Verfassungsänderung, die es ihm gestattet, weitere zwei Amtsperioden auf seinem Posten zu bleiben. Zugleich wurde am 30.05.2002 die Altersbegrenzung für das Präsidentenamt von 70 auf 75 Jahre heraufgesetzt. Menschenrechtsorganisationen bezeichneten den Wahlgang als "Farce". "Selbst die verrücktesten Diktaturen wagen es nicht, solche Zahlen vorzulegen", erklärte Souheir Beinassen, Vizepräsidentin der Tunesischen Menschenrechtsliga. Ben Ali hatte das Referendum im Vorfeld als Voraussetzung für eine demokratische Reform deklariert, die die Schaffung einer zweiten Kammer des Parlaments und einen besseren Schutz der Menschen- und Bürgerrechte einschließen sollte. Menschenrechtsgruppen hingegen sprechen von einem "Klima der Angst" in Tunesien. Abweichende Meinungen würden sofort und brutal unterdrückt. |
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