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Südafrika geht der Strom aus 
Regierung spricht von nationalem Notstand, Energiekonzern rationiert den Verbrauch

Frank Raether

27.01.2008. Südafrika ist in Aufruhr. Stundenlang bricht die Stromversorgung zusammen. Jeden Tag neuerdings. Der Weg mit dem Auto zur Arbeit dauert mittlerweile Stunden, weil die Ampeln ausfallen.

Im Büro oder der Fabrik angekommen, muss bald eine Zwangspause eingelegt werden, da es keinen Strom gibt. In den Geschäften fallen die Kassen aus. Die Schranken der Parkhäuser öffnen sich nicht mehr. Frauen sitzen mit nassen Haaren beim Frisör, der seine Trockenhauben nicht betreiben kann. Und wer abends auf den vom Videorecorder mitgeschnittenen Film hofft, muss enttäuscht feststellen, dass die Stromabschaltung diesen außer Betrieb gesetzt hatte. Südafrikas Regierung stuft die Energiekrise inzwischen als „nationalen Notstand“ ein.

Goldminen stoppen Produktion

Weil der staatliche Energieversorger Eskom nicht genügend Strom produziert, werden in Südafrika jetzt flächenmäßig ganze Regionen vom Netz genommen. Die Kapazitätsgrenze sei erreicht, erklärte Eskom-Chef Jacob Maroga. Und schob gleich noch die nächste schlechte Nachricht hinterher: Es gibt für viele Jahre keine Aussicht auf Besserung. Das für acht Milliarden Euro im Bau befindliche Kohlekraftwerk Medupi mit einer Kapazität von 4 800 Megawatt wird erst 2016 mit allen Turbinen am Netz sein. Bis dahin sollen auch drei in den Achtzigerjahren stillgelegte Kraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 3 600 Megawatt und zwei Gasturbinenstationen Strom liefern. Alle weiteren Pläne, wie der Bau eines zweiten Atomkraftwerkes und zusätzliche Kohlekraftwerke, sind noch so unausgegoren, dass niemand weiß, wann sie umgesetzt werden.

Somit wird die Krise also noch lange andauern – und die wirtschaftliche und soziale Entwicklung Südafrikas massiv behindern. Am Freitag stoppten bereits die drei größten Goldprozenten des Landes wegen der Energieprobleme ihre Produktion. Und Eskom-Chef Maroga hat schon angekündigt, dass er die Stromversorgung von mehreren geplanten Industrieobjekten nicht ermöglichen kann. Damit wird die geplante Aluminiumschmelze in Coega genauso wenig gebaut werden wie die Erweiterung von Platinund Chromförderung durch Anglo Platinum und Xstrata.

Der Grund für die Krise liegt in der Ignoranz der südafrikanischen Regierung. „Eskom hatte recht und wir unrecht“, gestand Präsident Thabo Mbeki kürzlich ein. Denn der Energieversorger wollte schon vor einem Jahrzehnt die Kapazität erweitern und beantragte dafür staatliche Mittel. Doch die Regierung meinte, dass der Stromanschluss von Millionen während der Apartheid benachteiligten Schwarzensiedlungen Vorrang bei den Investitionen habe. Zugleich wuchs die Wirtschaft Südafrikas jedes Jahr um rund fünf Prozent. Aus dem Stromüberschussland wurde so sehr schnell ein Land des Mangels.

Kein Strom für Nachbarländer

Da Südafrika seine Nachbarländer mit Strom versorgt und es dort kaum Kraftwerke gibt, ist ein stärkerer Import nicht möglich. Im Gegenteil: Eskom will die Stromversorgung von Namibia, Swaziland und Simbabwe einstellen. Im eigenen Land soll nun auf Rationierung gesetzt werden. Obwohl die Privathaushalte nur fünf Prozent der gesamten Energie abnehmen, werden sie am meisten getroffen. Wer über eine drastisch reduzierte Menge verbraucht, soll entweder für eine Woche keinen Strom bekommen oder eine hohe Strafgebühr zahlen, verlautete aus Eskom-Kreisen. Auch Unternehmen bekommen nur noch eine geringere Kilowatt-Menge. Brasilien hatte vor einigen Jahren ähnliche Rationierungen eingeführt. Ergebnis: Das Wirtschaftswachstum sank um 1,5 Prozent.

Und wenn Südafrika in drei Jahren die Fußballweltmeisterschaft durchführt, dann kann es gut sein, dass nur die Austragungsstädte in dieser Zeit vollen Strom haben und der Rest des Landes vollends im Dunkeln versinkt.

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