![]() Themen |
Zuma am Ziel 24.04.2009. Die südafrikanische Pop-Gruppe Solly Moholo hat einen neuen Starsänger. "Umshini Wami" singt Jacob Zuma, bring mir mein Maschinengewehr. Es ist ein altes Lied aus dem Anti-Apartheid-Kampf. Und es ist das Lieblingslied des Führers des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC), mit dem er die Innenstadt von Johannesburg zur Party-Zone macht. Grüne und blaue Laserstrahlen erleuchten die Häuser ringsum, während Tausende auf der Straße vor der großen Bühne mitsingen. Es ist Wahlsiegparty vor dem Hauptquartier des ANC. Auch wenn das amtliche Endergebnis des Urnengangs vom vergangenen Mittwoch noch aussteht, so ist doch längst klar, dass der ANC erneut mit sehr großer Mehrheit gewonnen hat und wieder zwei Drittel der Abgeordneten im neuen Parlament stellen wird. "Wo ist der Sarg", ruft Zwelinzima Vavi dann von der Bühne. Die Stimme des Generalsekretärs des mächtigen Gewerkschaftsdachverbandes Cosatu hat sich noch immer nicht erholt von den engagierten Reden im Wahlkampf. "Lasst uns in dem Sarg die DA, IFP, Cope und andere zu begraben", sagt er heiser. Die Massen johlen vergnügt. Die Abkürzungen stehen für die Parteien, die den Afrikanischen Nationalkongress bei den Wahlen herausgefordert hatten und immerhin zusammen jede vierte Stimme errangen. Doch nur in der Provinz Westkap, wozu Kapstadt gehört, gelang ein Machtwechsel. Dort hat die Demokratische Allianz (DA) gewonnen, die von der deutschstämmigen Bürgermeisterin von Kapstadt, Helen Zille, geführt wird. In allen anderen acht Provinzen Südafrikas wird weiterhin Zumas Partei allein das Sagen haben - mit Mehrheiten von bis zu 85 Prozent. Kein Wunder, dass vor dem Parteigebäude, dem Luthuli House, in der Johannesburger City die Menge immer wieder "Zuma, Zuma" ruft. Viele tragen ein T-Shirt mit seinem Bildnis, das in der neuen Art des Personenkults, seitdem der 68-Jährige die Führung der Organisation übernahm, den ANC nun prägt. Auch Rufe wie "Zuma ist unser Jesus" hört er gerne. Und er strahlt, als an diesem Abend die Gospelsängerin Deborah Fraser singt: "Jacob Zuma ist die Nummer eins." Es spielt keine Rolle mehr, dass er mit seinem Machtdrang die Partei gespalten hat, den langjährigen Präsidenten Thabo Mbeki recht unwürdig zum Rücktritt zwang und seiner Anklage wegen Korruption, Geldwäsche und Steuerbetrug in über einem Dutzend Fällen nur durch eine umstrittene Entscheidung der Strafverfolgungsbehörde entkam. Er selbst erklärt seitdem, dass er unschuldig sei - und seine Anhänger sehen das auch so, obwohl die Behörde feststellte, dass es nur ein Verfahrensproblem gab, keine Zweifel aber an den Beweisen. Am 9. Mai, wenn ihn das Parlament mit der Stimmenmajorität des ANC zum Präsidenten gewählt hat, wird Jacob Zuma, der in seiner Kindheit das Vieh der Familie hütete, vor den Union Buildings seinen Amtseid leisten und den Höhepunkt seiner Laufbahn erreicht haben. An seiner Seite auf der Bühne stehen die auf Bewährung verurteilte Winnie Mandela und andere Freunde, die unter Zumas Vorgänger wegen Verfehlungen im Amt gefeuert worden waren. Ein Bad in der Menge aber nimmt Jacob Zuma nicht. Seine Bodyguards schirmen den "Mann des Volkes" mit teilweise rabiatem Gebrauch der Ellenbogen und sogar Fäuste ab. Währenddessen werden gut 60 Kilometer entfernt im Zentralen Operationszentrum der Wahlkommission in Pretoria weiter die Stimmen der Mittwoch-Wahl gezählt. Als am Freitagabend 95 Prozent der Resultate eingegangen waren, lag der ANC bei fast 67 Prozent. Die Demokratische Allianz von Helen Zille kam auf knapp 16 und der Volkskongress (Cope), vor vier Monaten vom ANC abgespalten, immerhin als drittstärkste Partei auf mehr als sieben Prozent. Das ist beachtlich. Denn es gab gegen die abtrünnigen Genossen von einst eine regelrechte Hexenjagd. Einige Funktionäre wurden aus ihren staatlichen Funktionen gefeuert, einer wurde gar im Wahlkampf erschossen. Kundgebungsorte waren plötzlich vom ANC gebucht und nicht mehr verfügbar, obwohl die Anhänger schon am Tor standen. Oder die Zusammenkünfte wurden durch lautstarke ANC-Jugendliche gestört. Immer wieder kommen Parteiführer ins Operationszentrum, um an den großen Leuchttafeln dort zu sehen, wie viel Südafrikaner für sie gestimmt haben. Und nach einem Schluck Kaffee und ein paar Interviews dann wieder der Blick auf die Tafeln, ob sich ihre Position inzwischen verbessert hat. Doch die Prozentzahlen variieren nur noch hinter dem Komma. Die Wahl ist gelaufen. Am heutigen Sonnabend will die Vorsitzende der Wahlkommission, Brigalia Bam, das offizielle Endresultat mitteilen. |
Navigation
|