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Zwei-Drittel-Mehrheit als Ziel 19.04.2009. Zur letzten Wahlkampfkundgebung vor den Parlamentswahlen fährt der Afrikanische Nationalkongress (ANC) am Sonntag sein schwerstes Geschütz auf: Nelson Mandela. Als das 90-jährige Idol des südafrikanischen Anti-Apartheid-Kampfes im Golf-Cart in das Johannesburger Ellis-Park-Stadion einfährt, brechen Zehntausende in Jubel aus. Nur mit einem massiven Aufgebot von Sicherheitsleuten der Partei kann verhindert werden, dass die Menschen ins Stadionoval stürmen, um ihrem Helden nahe zu sein. Dann erklärt der ehemalige Präsident Südafrikas, dass der ANC "eine historische Verantwortung hat, um eine geeinte und nichtrassistische Gesellschaft aufzubauen", und wieder brandet minutenlanger Beifall auf, obwohl Mandelas Rede aufgezeichnet wurde und nun über große Videoleinwände im Stadion eingespielt wird. Das Stehen und Gehen fällt ihm schwer, aber seine markante Stimme ist noch immer kraftvoll. Dann ergreift Jacob Zuma das Wort. Der 67-Jährige ist seit der Entmachtung seines Vorgängers Thabo Mbeki Präsident des Afrikanischen Nationalkongresses und wird nach den Wahlen am Mittwoch, die seine Partei wieder gewinnen will, auch Staatsoberhaupt werden. Im Ellis-Park-Stadion verspricht Zuma, dass unter seiner Regierungsführung alles noch besser werden würde. Arbeitsplätze würden geschaffen, Häuser gebaut, die lokalen Verwaltungen auf Trab gebracht, Korruption und Kriminalität bekämpft und vor allem die Bevölkerung direkter in die Regierungsgeschäfte einbezogen. "Zuma wird der beste Präsident der Republik", hatte zuvor auf einer anderen Kundgebung der ANC-Jugendführer Julius Malema verkündet. Und um keinen Zweifel am fortgesetzten Machtanspruch der Organisation zu lassen, die seit den ersten demokratischen Wahlen 1994 Südafrika führt, fordert Malema: "Wir sind der Zweidrittel-Mehrheit, die wir im Parlament haben, müde. Wir wollen die Drei-Drittel-Mehrheit." Der junge Mann ist Zumas lautstärkster Verehrer. Vor einiger Zeit forderte er sogar die ANC-Anhänger dazu auf, "bereit zu sein, für Zuma zu töten". Etwa 100 000 Südafrikaner sind nach Angaben des ANC in den Johannesburger Stadionkomplex gekommen. Und noch mehr verfolgen auf riesigen Videoleinwänden in großen Stadien der anderen acht Provinzen die per Satellit übertragene Kundgebung. Es ist der medienwirksame Paukenschlag vor der Wahl am Mittwoch. Die Oppositionsparteien bringen zwar nur jeweils einige tausend Anhänger zu ihren letzten Wahlkundgebungen am Sonntag, aber dafür sind sie harsch in ihrer Kritik am bisherigen Kurs der Mächtigen am Kap. "Der ANC lügt, wenn er sagt, dass er etwas für die armen Leute tut", wettert Helen Zille, Führerin der Demokratischen Allianz, am Sonntag in Middelburg. Sechs Millionen Südafrikaner hätten laut einer Untersuchung der Harvard Universität ihren Job verloren. Auf einer anderen Kundgebung zuvor in Butterworth bekam Helen Zille langen Beifall, als sie Propaganda und Taten des ANC gegenüberstellte: "Die ANC-Regierung hat versprochen, Straßen zu bauen und dafür Millionen bezahlt. Doch das Geld ist weg, und die Straßen bei euch wurden nicht gebaut." Butterworth liegt in der Transkei im Südosten Südafrikas, einer vernachlässigten Gegend. "Zu viel ist versprochen, zu viel erwartet und zu wenig davon erfüllt worden", klagt Ongama, der an der Kundgebung in Butterworth teilnahm. Der junge Mann verehrt Nelson Mandela und konnte sich bisher nicht vorstellen, eine andere Partei als den ANC, der ja das Ende der Apartheid gebracht hat, zu wählen. Doch nun klatscht er wie die anderen bei der Kundgebung laut nach jedem zweiten Satz von Helen Zille. Sie trifft offenbar den Nerv der Leute. Das schafft auch Bantu Holomisa, der Führer der Vereinigten Demokratischen Bewegung (UDM). Er hat sich für seine letzte Wahlrede am Sonntag Khayelitsha, die größte Schwarzensiedlung Kapstadts, als Kundgebungsort ausgesucht. "Die vergangenen 15 Jahre waren von einer hohen Arbeitslosenrate und weit verbreiteter Armut gekennzeichnet", ruft er in die Menge und bekommt stürmische Zustimmung. Denn etwa 80 Prozent der Einwohner von Khayelitsha fallen in diese Kategorien. Holomisa macht den ANC dafür verantwortlich, dass einerseits über ein Drittel aller Südafrikaner keinen Job hat, aber auf der anderen Seite "90 000 Lehrer und zehntausende Krankenschwestern fehlen". Die erst vor vier Monaten vor allem von ANC-Dissidenten gegründete neue Partei Congress of the People (Cope) hat sich insbesondere auf den Führungsstil der Zuma-Truppe eingeschossen. Mbhazima Shilowa, Mitbegründer und Vizepräsident von Cope, bezeichnet den ANC, dem er selbst bis zum vorigen Jahr angehörte, als "machttrunken". Parteichef Jacob Zuma und dessen Leute seien dabei, "Südafrika in eine Bananen-Republik zu verwandeln". Sie würden eine Parteidiktatur anstreben, Gerichte nicht achten und Leute, die nicht dem ANC angehören, aus den Staatsämtern verdrängen. "Cope reimt sich auf Hope", verkündet Mbhazima Shilowa unter starkem Beifall. "Und Hoffnung brauchen wir, um Südafrika wieder auf den richtigen Weg zu bringen." |
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