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Aufbruchstimmung in der Regenbogennation 
Eine neue Partei soll in Südafrika gegen die Übermacht des ANC antreten - zur Verteidigung der Demokratie, so die Initiatoren

Frank Räther

03.11.2008. In Johannesburg ist am Sonntag die Bildung einer neuen Partei beschlossen worden, die den mit Zweidrittelmehrheit regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) bei der Wahl 2009 herausfordert. Sie ist Sammelbecken für tausende Südafrikaner, die mit dem Kurs und der Führung des ANC unter Jacob Zuma unzufrieden sind. Gegründet werden soll die Partei am 16. Dezember. Der Name steht noch nicht fest.

Hunderte waren aus dem ganzen Land zum Sandton Convention Centre von Johannesburg angereist und zogen singend und tanzend durch die Straßen. "Wir wollen Zuma nicht", riefen sie. Und "Wir warten auf Lekota und Shilowa". Die beiden früheren ANC-Führer sind die Organisatoren des Konvents. Als Shilowa eintrifft, wird er mit Jubel und dem Winken der offenen Hand begrüßt - das Zeichen, das die Bewegung für Demokratischen Wandel in Simbabwe nutzt.

Die meisten Konvent-Teilnehmer sind Männer und Frauen zwischen 30 und 50 Jahren, selbstbewusste, politisch denkende Menschen. "Wir wollen nicht, dass Südafrika so endet wie Simbabwe oder Kenia", sagt Xoliswa aus der Ostkap-Provinz. "Ich war wie die meisten anderen hier mein Leben lang Mitglied des ANC. Aber wir wollen nicht von diesen Leuten geführt werden, die korrupt sind, nur an sich denken und andere politische Führer als Hunde und Schlangen titulieren." Auf Kartons haben sie ihre Losungen geschrieben: "ANC-Die Ehe ist vorbei". Und: "Wir sind alle gleich vor dem Gesetz". Das bezieht sich auf Angriffe von Zuma-Anhängern auf die Justiz, die als konterrevolutionär verunglimpft wird, um sie zu zwingen, einen Prozess gegen den der Korruption beschuldigten ANC-Chef niederzuschlagen.

"Diese Leute haben die Partei übernommen und missbrauchen die Macht", sagt Eugene, ein Johannesburger Mitte 30. "Dieser Parteidiktatur, wo nur wenige über das ganze Volk bestimmen, muss Einhalt geboten werden." Und eine Ärztin sagt: "Dies ist nicht mehr der ANC, der gegen die Apartheid kämpfte und unserem Land Demokratie brachte." Die Selbstbereicherung in Staatsämtern, das Niederschreien anderer Meinungen, die Losung, bereit zu sein für Zuma zu töten, seien nicht zu tolerieren.

Es ist eine völlig andere Atmosphäre als bei ANC-Kundgebungen unter Zuma. Die Aufbruchstimmung erinnert an die Zeit vor eineinhalb Jahrzehnten, als die damalige Mehrparteienkonferenz Codesa tagte und der Übergang von Apartheid zu Demokratie begann. "Verteidigung der Demokratie" ist auch das Motto des Konvents. Viele beziehen sich auf die Politik von Nelson Mandela, dem ersten Präsidenten des freien Südafrika - und damit auf die Einbeziehung aller Kräfte, auf das Schaffen einer Regenbogennation, auf eine lebhafte Diskussion über den einzuschlagenden Weg. Nicht Parteipolitik, sondern die Interessen Südafrikas haben den Kurs zu bestimmen, betont Mosiuoa Lekota in seiner Rede. Schutz der Verfassung, Meinungsfreiheit, Zusammenwirken aller Rassen und politischen Richtungen zum Wohle des Volkes sind die Forderungen der Abschlussdeklaration.

Bis zum Parteigründungskongress soll die Diskussion in Provinzen, Städten und Townships weitergeführt werden. "Die sich dabei herausbildenden Grundpositionen werden unser Programm", hieß es.

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