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Gewerkschaften rufen zum Generalstreik
Cosatu-Chef Vavi ist schärfster Kritiker von Präsident Mbeki

Frank Räther

05.08.2008. Niemand soll heute in Südafrika zur Arbeit gehen, fordert Zwelinzima Vavi. Zwei Millionen Menschen werden auf den Straßen demonstrieren, verspricht er. Der Generalsekretär des Gewerkschaftsdachverbandes Cosatu liebt große Forderungen und große Zahlen. Er versteht sich als Vertreter der Armen und Entrechteten, und er handelt danach.

Das für heute angekündigte Stay-away, also ein Fortbleiben von der Arbeit als Form des Generalstreiks, richtet sich gegen die stark gestiegenen Preise für Strom. Vavi macht die Regierung von Präsident Thabo Mbeki für den Missstand verantwortlich. Die Kritik ist nicht unbegründet: Obwohl es schon vor einem Jahrzehnt Warnungen vor einem nahenden Strommangel gab, ließ die Regierung die Sache schleifen und baute keine neuen Kraftwerke. Erst als es zu spät war, startete der staatliche Versorger Eskom ein Hauruck-Programm. Die Kosten der Investitionen wälzt das Unternehmen nun durch Preissteigerungen von über 40 Prozent auf die Bevölkerung ab. "Die Armen sollen das Versagen der Regierung bezahlen" wettert Vavi daher und setzt hinzu: "Nicht mit uns - nehmt dafür Steuergelder."

Am Wochenanfang war Vavi noch bei dem Mann zu sehen, den er als den Heilsbringer ansieht: Jacob Zuma. Dieser stand in Pietermaritzburg vor Gericht, weil er seinen Prozess wegen Korruption verhindern oder zumindest so lange hinausschieben will, bis er Staatspräsident und Nachfolger Mbekis ist. Vavi ist einer seiner wichtigsten Verbündeten. Im vorigen Jahr schon hatte der Cosatu-Generalsekretär keine Gelegenheit ausgelassen, um unter den ANC-Anhängern gegen Mbeki und für Zuma als "Mann des Volkes" Stimmung zu machen. Mit Erfolg: Im Dezember wurde Mbeki als Präsident der Regierungspartei durch Zuma ersetzt. Erst kürzlich erklärte der gewerkschaftliche Feuerkopf sogar öffentlich, er sei bereit, für Zuma zu den Waffen zu greifen und zu töten.

Oft ist der 45-Jährige heiser, wenn er auf Kundgebungen spricht. Das stört ihn nicht. Die Worte müssen raus. Die Forderungen nach einem besseren Leben für die Armen nach dem Ende der Apartheid.

Zwelinzima Vavi ist als Kind auf einer Farm in Hanover in der armen Nordkap-Provinz aufgewachsen. Schon in jungen Jahren arbeitete er auf dem Feld. Sein genaues Geburtsdatum kennt er nicht, ein Pfarrer legte es auf den 20. Dezember 1962 fest. Bis heute feiert er seinen Geburtstag nicht. Mit 22 ging Vavi in die Bergwerke. Beim großen Streik 1987 wurde er gefeuert. Ein Jahr später war er Regionalsekretär der Cosatu, bis 1999 kletterte er an die Spitze des Gewerkschaftsdachverbandes mit seinen eineinhalb Millionen Mitgliedern. Er selbst lebt mit dem Gewerkschaftssalär von rund 2 000 Euro im Monat. Seine Eltern und seine zwölf Geschwister wohnen im Township Sada in einer armen Gegend bei Queenstown.

Zwelinzima Vavi ist Mitglied der Kommunistischen Partei, an seiner Wand hängt ein großes Che-Guevara-Bild. Bei den Arbeitern ist er beliebt, denn er ist einer von ihnen, stellt harte Forderungen für sie und nimmt in seiner Kritik an der Regierung nie ein Blatt vor den Mund. Er wettert gegen die "kapitalistische Wirtschaftspolitik", gegen Privatisierungen von Staatsunternehmen, die Bereicherung führender Politiker und ANC-Funktionäre, das fehlende Engagement in der Aids-Bekämpfung, die schlaffe Haltung gegenüber Simbabwe. Deshalb will er auch Mbeki, den er für all dies verantwortlich macht, durch Zuma ersetzt sehen. Und deshalb vertraut er auch dem "Druck der Massen", um eine Wende zu erreichen - so wie mit der heutigen Protestaktion.

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