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Vorhof zur Hölle 
Immer brutaler wird der Bürgerkrieg in Somalia. Selbstmordattentäter töten Minister. Hunderttausende müssen fliehen

Marc Engelhardt

20.06.2009. So brutale Kämpfe wie in diesen Tagen haben die Somalier wohl noch nie durchlitten. Am Mittwochabend feuerten Angreifer während der Gebetsstunde eine Mörsergranate in eine Moschee in der Hauptstadt Mogadischu, mindestens zehn Gläubige kamen ums Leben. Nur wenige Stunden zuvor hatten islamistische Milizionäre den Polizeiminister der Übergangsregierung erschossen. Gestern nun sprengten sich drei Selbstmordattentäter vor dem Medina-Hotel in der Grenzstadt Belet Huen, gut 400 Kilometer nördlich von Mogadischu, mit ihrem Kleinwagen in die Luft und rissen 25 Menschen mit in den Tod.

So heftig war die Detonation, dass von den Leichen im Hotel nur noch verkohlte Überreste übrig blieben, erklärten später Augenzeugen. Das Hotel stand stundenlang in Flammen. Unter den Opfern ist Somalias Sicherheitsminister Omar Hashi Aden, das bislang prominenteste Opfer im Bürgerkrieg zwischen den radikalen Islamisten und der Übergangsregierung.

"Das ist ein Angriff von El Kaida auf Somalia", tobte Übergangspräsident Sharif Sheikh Achmed in Mogadischu, nachdem er Adens Familie sein Beileid ausgesprochen hatte. Zu dem Anschlag bekannte sich am Nachmittag die islamistische Shabaab-Miliz. Ob die Attentäter tatsächlich Verbindungen zu internationalen Terrorgruppen hatten, ist unklar. Dafür spricht, dass Selbstmordattentate erst seit Kurzem zum Repertoire der Untergrundkämpfer gehören.

Somalias Premierminister Omar Ali Sharmake warnte gestern vor der steigenden Zahl von Gotteskriegern in Somalia. "Mindestens 500 ausländische Kämpfer befinden sich derzeit in der Hauptstadt, das ist eine große Gefahr für die gesamte Region", sagte Sharmake vor der Presse in Mogadischu.

Waffen aus dem Ausland

Von bis zu 300 Dschihadis spricht auch der UN-Sonderbeauftragte für Somalia, Ahmedou Ould Abdallah. Waffen erhalten sie angeblich aus dem Iran und aus Katar, geschleust werden sie durch Eritrea. Auch in den Hafenstädten Kismayo und Merka, die von Hardlinern kontrolliert werden, werden immer wieder Boote mit leichten Waffen und Raketenwerfern an Bord gesichtet. Sogar die ansonsten zurückhaltende Afrikanische Union forderte den UN-Sicherheitsrat jüngst auf, wegen des Waffenschmuggels gegen Eritrea vorzugehen.

Die Übergangsregierung muss sich derzeit auf eine zusammengewürfelte Armee verlassen, die sich aus Kämpfern der früheren Union der Islamischen Gerichtshöfe, langjährigen Unterstützern der heute regierenden Politiker sowie Polizisten zusammensetzt. Kein Wunder, dass Präsident Achmed seinen Palast nicht von eigenen Truppen, sondern lieber von den rund 4 000 Soldaten der Afrikanischen Union schützen lässt und nach neuen Unterstützern sucht. Die alten Kriegsfürsten, für ihre Willkür berüchtigte Geschäftsleute mit Privatarmeen, kommen so wieder zu neuen Ehren.

Seit Beginn der islamistischen Offensive Anfang Mai sind mindestens 270 Bewohner der Hauptstadt getötet worden. "Mogadischu ist der Vorhof zur Hölle", erklärte der Repräsentant des UN-Flüchtlingshilfswerks für Somalia, Guillermo Bettocchi, am Mittwoch in einem Interview. Nie zuvor sei die Lage so schlimm gewesen wie jetzt. "Mehr als 120 000 Bewohner sind alleine im vergangenen Monat aus Mogadischu geflohen", sagt auch Peter Smerdon vom UN-Welternährungsprogramm. "Die Lage ist sehr ernst, denn wo gekämpft wird, können wir nicht helfen. Oft sind wir nicht einmal in der Lage, die neuen Vertriebenen aufzuspüren."

 

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