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Simbabwe vor dem Neubeginn

Maritta Tkalec

04.04.2008. Viele Jahre ließen Afrikaner, arme wie reiche, nichts auf Robert Mugabe kommen. Er hatte sein Land in die Freiheit geführt, hatte Simbabwe die Würde zurückgegeben. Es lässt sich für Europäer nur schwer ermessen, was dieses Wort, was Würde und Respekt für Menschen bedeuten, die jahrhundertelang gedemütigt und entwürdigt worden sind. Bis in die 90er-Jahre hinein schickten Mosambikaner, Sambier, selbst Südafrikaner, die das Geld aufbringen konnten, ihre Kinder auf Schulen und Internate mit bestem Ruf in Simbabwe. Die Krankenhäuser suchten ihresgleichen in der Region. Die Rechtsprechung des Landes arbeitete - nach britischem Vorbild - tadellos. Die Wirtschaft war, zumal im Vergleich zu den Elendsstaaten in der Nachbarschaft, auf gutem Wege, immer mehr Simbabwer aus der Armut, ja, in bescheidenen Wohlstand, zu führen. Die Regierung erwies sich als weise genug, die Vorteile, des alten, von Weißen dominierten Rhodesien in die afrikanische Freiheit zu retten - eine glückliche Symbiose. Das alles gelang, obwohl Simbabwe unter dem demokratisch gewählten Präsidenten Mugabe keinen Moment zögerte, den Kampf gegen das Apartheid-Regime in Südafrika bis zu dessen Abschaffung zu unterstützen.

Damals war Mugabe der Stolz Afrikas, jetzt ist er eine Schande. Was er hinterlassen wird, ist in jeder Hinsicht desaströs. In diesen Stunden muss man hoffen, dass die Bilanz nicht vollends zum Schrecken gerät. Robert Mugabe ist 84 Jahre alt, regierte 28 Jahre lang und ist nun nicht nur moralisch, sondern auch faktisch am Ende: Der Wahlsieg der Opposition ist trotz massiver Wahlfälschung zugunsten Mugabes so eindeutig, dass die Wahlkommission den Diktator nicht zum Triumphator ausrufen kann. Eine Stichwahl, wie sie nun vom Mugabe-Lager angestrebt wird, bedeutete Zeitgewinn, auf einen Sieg des Geronten könnte es nicht mehr hoffen. Dass die Regierungspartei Zanu-PF die Parlamentsmehrheit verlor, musste die Wahlkommission schon einräumen.

Noch ist die Gefahr nicht gebannt, dass der alte, zornige Mann den Ausnahmezustand ausruft und das Militär losschlagen lässt. Doch er hat nicht mehr die unumschränkte Kontrolle über den Machtapparat - es gibt viele in seiner Partei, die das Ende der Ära Mugabe überleben wollen. Die Partei ist gespalten, seit Monaten wird in inneren Zirkeln über Möglichkeiten eines sanften Wandels verhandelt, der auch alten Kadern eine weiche Landung verschaffte. Aus diesen Kreisen der Zanu-PF, zu denen offenbar auch Generäle gehören, stammten die Gerüchte, Mugabe werde zurücktreten, weil er fürchten müsse, sich bei einer Stichwahl zu blamieren.

Eine große Rolle bei solchen Geheimverhandlungen spielt mit Sicherheit die Regierung Südafrikas, vor allem Präsident Thabo Mbeki. Der hatte Mugabe gegen alle westliche Kritik die Treue gehalten, Dankbarkeit für Hilfe in schwerer Zeit gilt in Afrika als sehr hohes Gut - man erinnere sich an den Respekt, den Nelson Mandela bis heute Gaddafi entgegenbringt, auch wenn er dessen autokratisches System missbilligt. Thabo Mbeki hat den Gesprächsfaden nach Harare nicht abreißen lassen. Man kann nur wünschen, dass der Einfluss mäßigend auf Mugabe wirkt.

Wie die neue Macht in Simbabwe aussehen wird, ist noch Gegenstand von Spekulation. Eine Übergangsphase mit einer Regierung der nationalen Einheit, in der Wahlsieger und reformwillige Kräfte des alten Systems das zerrüttete Land stabilisieren, wäre vorstellbar. Eine Alleinregierung der bisherigen Opposition unter einem Präsidenten Morgan Tsvangirai wäre zwar allem Anschein nach demokratisch legitimiert, doch praktisch steht in Frage, ob sie über die notwendigen Fähigkeiten und Kompetenzen verfügt. Das alte Regime hielt seine Gegner von verantwortlichen Posten fern, sie hatten keine Chance, Erfahrung zu erwerben.

Was das Land von Tsvangirai zu erwarten hätte, ist unklar, sein Profil bestimmte sich bisher allein im Widerstand. Er wird als charismatischer, unerhört mutiger, aber aufbrausender, ungebildeter Arbeiter- und Gewerkschaftsführer beschrieben, selbst Anhänger zweifeln an seiner Fähigkeit, Verantwortung für ein ganzes Land zu übernehmen. Seine Bewegung ist gespalten, manche unterstützen den dritten Präsidentschaftskandidaten, der in einer Stichwahl nicht mehr antritt, sich aber als verbindendes Element zwischen beiden Lagern anbietet: Simba Makoni, einst Mugabes Minister, dann Dissident innerhalb der Regierungspartei - vielleicht ein Mann des Übergangs. So weit ist es noch nicht. Doch eins ist gewiss: Der Wandel in Simbabwe hat begonnen.

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