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Simbabwes Opposition steht vor dem Sieg 
MDC rechnet mit 60 Prozent für ihren Chef Tsvangirai

Frank Räther

31.03.2008. Fast 40 Stunden brauchte die Wahlkommission Simbabwes, bis sie gestern Vormittag die ersten Resultate der Wahlen vom Sonnabend bekannt gab. Dem ging, wie Insider wissen wollen, eine Zusammenkunft zwischen Präsident Robert Mugabe und Mitgliedern der Kommission voraus. Denn diese Wahl verlief offenbar nicht so, wie es sich der 84-Jährige, der sich um eine sechste Amtszeit beworben hatte, vorgestellt hatte. Sie könnte sogar das Ende seiner Herrschaft bedeuten.

Denn die oppositionelle Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) rechnete schon am Sonntag die ausgehängten Resultate vor einzelnen Abstimmungslokalen zusammen - und schloss daraus auf einen überwältigenden Sieg ihrer Partei bei den Parlamentswahlen und ihres Führers Morgan Tsvangirai bei den Präsidentschaftswahlen. Danach bekam Tsvangirai 60 Prozent, Mugabe nur 30 und der andere Oppositionskandidat Simba Makoni neun Prozent der Stimmen. Und im Parlament hätte die MDC mit 128 von 210 Sitzen die absolute Mehrheit. Sollten sich diese Hochrechnungen bestätigen, dann wäre es ein politischer Erdrutsch, ein "Tsunami", wie MDC-Generalsekretär Tendai Biti es ausdrückte.

Das aber schockiert die noch Machthabenden. Und so wurde die Bekanntgabe der Teilresultate, die der Wahlkommission doch schon längst mitgeteilt wurden, erst hinausgezögert und dann regelrecht choreografiert. Am Morgen wurde zunächst vermeldet, von den ersten sechs Mandaten gingen drei an Mugabes Zanu-PF und drei an die MDC. Gleichstand also. Mittags waren 24 Sitze ausgezählt, wieder je zwölf für jeden, und am frühen Abend wies die Kommission jedem Lager 19 Sitze zu. Das widerspricht noch nicht zwingend der MDC-Rechnung. Doch unbegrenzt lässt sich dieses Spiel nicht fortsetzen.

Polizei hält sich zurück

Keine Ergebnisse gab die Wahlkommission bisher zu den Präsidentenwahlen bekannt. Da Mugabe am Sonntag auch mit der Spitze von Armee und Geheimdienst konferiert haben soll, gibt es die Befürchtung, dass er planen könnte, mit Gewalt im Amt zu bleiben. Schließlich haben die Chefs der Streitkräfte und der Polizei vor den Wahlen erklärt, dass sie niemanden anderes als Mugabe anerkennen.

Doch interessant ist das Verhalten der Polizei. Zwar patrouillierte sie überall in den Städten, die bei den Wahlen alle mehrheitlich an die MDC gingen. Doch nirgends kam es zu den früher üblichen Übergriffen mit Schlagstöcken und Tränengas auf jubelnde Oppositionsanhänger. Ein Polizeisprecher erklärte sogar öffentlich: "Es ist menschlich zu feiern, aber sie sollten nicht provozieren oder andere einschüchtern." Für Simbabwe ist dies ein völlig neuer Ton.

In Bulawayo, der zweitgrößten Stadt Simbabwes, hat die Zanu-PF inzwischen ihre Niederlage öffentlich eingestanden. Und Justizminister Patrick Chinamasa, ein enger Freund Mugabes, verlor seinen ländlichen Wahlkreis und ist nicht länger Parlamentsabgeordneter. Dies sind Anzeichen dafür, dass sich in Simbabwe tatsächlich etwas ändern kann. Aber erst wenn die endgültigen Resultate offiziell bekannt gegeben wurden, wird sich zeigen, ob das Land vor einer Wende steht.

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