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Wahlkampf mit Knüppeln und Äxten 
Mugabe erhöht vor Stichwahl in Simbabwe den Druck

Marc Engelhardt

09.05.2008. In seinem Dorf ist der pensionierte Maurer Geoffrey (Name geändert) als freundlich und besonnen bekannt. Mit Politik hat der 65-jährige aus Guruve in der Provinz Mashonaland Central nördlich von Simbabwes Hauptstadt Harare nie etwas zu schaffen gehabt. Doch als er am Sonntag vor drei Wochen vom Gottesdienst nach Hause ging, wurde er dennoch Opfer der Schlägerbanden von Präsident Robert Mugabe.

"Mein Onkel sah, wie ein ehemaliger Geselle von ihm, der Mitglied der Opposition ist, von 13 Männern verprügelt wurde", berichtet anonym ein Augenzeuge. Die Angreifer waren Jugendaktivisten der Regierungspartei, Grüne Bomber genannt, und Kriegsveteranen. Obwohl beide Gruppen als besonders militante Unterstützer Mugabes gelten, ging Geoffrey dazwischen. "Er sagte: Sie kennen diesen Mann doch, schlagen Sie ihn nicht! Doch dann haben sie sich gegen meinen Onkel gewandt und ihn mit einer Axt angegriffen." Der erste Schlag zertrümmerte Geoffrey nur deshalb nicht den ganzen Schädel, weil er die Arme hochriss. Mit stark blutenden Kopf- und Armverletzungen brach er zusammen. "Die Angreifer dachten, er sei tot", so der Zeuge.

Berichte über solche Übergriffe dringen in Simbabwe derzeit nur schwer nach außen. Die aufgeschriebenen Erlebnisse mehrerer Augenzeugen haben den Afrika-Korrespondenten der Berliner Zeitung nur über Umwege erreicht. Internet und Telefon in Simbabwe werden überwacht, wer sich verdächtig macht, wird verhaftet oder verschwindet spurlos. Mehr als zehn Journalisten sitzen in Haft.

Flucht in den Busch

Einen Monat nach der Wahl, die Mugabe auch dem offiziellen Ergebnis zufolge verloren hat, zieht das Regime noch einmal alle Register. Bis zur Stichwahl, deren Termin völlig unklar ist, sollen möglichst viele Oppositionswähler vertrieben oder so eingeschüchtert werden, dass sie es nicht wagen, erneut für den Oppositionskandidaten Morgan Tsvangirai zu stimmen. Die regierungskritische Bauerngewerkschaft teilte am Freitag mit, mehr als 40 000 Farmarbeiter seien wegen angeblicher Oppositionsnähe in den vergangenen Wochen von ihren Höfen vertrieben worden. Viele hätten im Busch Zuflucht gesucht, wo sie weder Nahrung, Unterkunft noch Trinkwasser haben.

Auch in den Städten greifen Mugabes Truppen mittlerweile durch. "An einem Nachmittag bin ich in ein privates Krankenhaus gefahren", berichtet ein Pfarrer. "In den Räumen saßen Bewohner aus den Vororten Harares, die gerade von Grünen Bombern überfallen worden waren: alle waren übel zugerichtet, viele hatten Verbrennungen und mehrfache Knochenbrüche." Unter den Opfern waren selbst Frauen über 70, die für das politische Engagement ihrer Kinder und Enkel bestraft werden sollten.

Dabei haben diese Verletzten noch Glück, denn von medizinischer Versorgung sind die Opfer der Übergriffe zunehmend ausgeschlossen. Im Fall des schwerstverletzten Geoffrey, den Freunde in ein Hospital fuhren, vergingen Stunden, bevor der Dorfpolizist schließlich eine Behandlung genehmigte.

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