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Mit der leichtfertigen Einmischung in den Bürgerkrieg in Liberia holte sich Sierra Leone die Konflikte ins eigene Land. Seit 1991 ist die Republik, bis 1961 Protektorat und Kronkolonie von Großbritannien, gezeichnet vom Krieg, überflutet von Truppen aus Nigeria und Guinea, die kamen, um Frieden zu stiften, nun aber marodierend durchs Land ziehen. Ständig wechseln Regierungen und Machthaber. Fast 700.000 Einwohner sind in die Nachbarstaaten geflüchtet. Seit 1978 herrscht die Temne-Gruppierung All-People's Congress (APC) als einzige Partei im Lande. Kaum wurden mit der Verfassung von 1991 Oppositionsparteien zugelassen, folgte ein Militärputsch. Erst nach dem Eingreifen einer Friedenstruppe unter nigerianischer Führung konnte Staatschef Ahmed Tejan Kabbah, der bereits von März 1996 bis Mai 1997 regierte, im März 1998 die Staatsgeschäfte wieder übernehmen. In Sierra Leone paktiert die Regierung mit Mörderbanden. Um sein politisches Überleben zu sichern, hat Ahmed Tejan Kabbah den Rebellen der RUF, der Revolutionären Vereinigten Front, eine Generalamnestie im August 1999 zugesichert. Die 30.000 Kombattanten haben im achtjährigen Krieg 20.000 ihrer Landsleute umgebracht. Zehntausende wurden grausam verstümmelt, ihnen wurden Nasen und Ohren abgeschnitten, Arme und Beine abgehackt. Für Mary Robinson, UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte, sind die Verbrechen in Sierra Leone schlimmer als alles, was im Kosovo die Weltöffentlichkeit erschütterte. Nach dem Friedensabkommen sollten die Soldaten der RUF ihre Waffen an UNO-Blauhelme abgeben. Doch bisher ist noch nicht einmal die Finanzierung der Friedenssoldaten gesichert. Die terroristische Organisation, die die wichtigen Diamantenminen des Landes kontrolliert, stellt weiter Bedingungen. Ihr Anführer, der frühere Armeefotograf Foday Sankoh, fordert "angemessene Unterkünfte" in der Hauptstadt. Dort hatten seine Rebellen noch im Januar 1999 10.000 Häuser und Wohnungen niedergebrannt. Sankoh war im Oktober 1998 zum Tode verurteilt worden. Nun steht ihm der Posten als Vizepräsident zu. Die Revolutionäre Vereinigte Front RUF unter Foday Sankoh in Sierra Leone halten seit 03. Mai 2000 inzwischen mehr als 310 UN-Vertreter als Geisel fest.Vier kenianische UN-Soldaten seine inzwischen getötet und die Rebellen erbeuteten Waffen und Ausrüstung der UNO. Über Motiv und Ziele der Geiselnahme ist noch nichts bekannt. In Sierra Leone sind 9000 UN-Soldaten zur Beruhigung der Lage stationiert. Die Rebellen in dem westafrikanischen Bürgerkriegsland haben nach Angaben der UNO am 07. Mai 2000 etwa 500 UN-Soldaten festgehalten. Die britische Regierung hat die Entsendung von zwei Kriegsschiffen und Fallschirmjäger nach Westafrika beschlossen. Am 07. Mai 2000 war es nach einer Massenpanik in der Nacht auf den Straßen der Hauptstadt wieder ruhig. Zunächst hatte Philip Winslow, Sprecher der UN-Beobachtermission, die Meldung verbreitet, die Rebellen unter Führung von Foday Sankoh stünden 15 Kilometer vor Freetown und würden die Stadt bald einnehmen. Einheimische hatten sich daraufhin in ihren Häusern verschanzt, Mitarbeiter internationaler Organisationen flüchteten in ein Hotel am Stadtrand. Stunden später korrigierte sich der Sprecher: die Kämpfer seien tatsächlich 65 Kilometer entfernt, er bedaure den "Irrtum". Grund seine "Kommunikationsprobleme" gewesen. Mehr als eine Woche nach seinem Verschwinden haben sierraleonische Regierungstruppen den berüchtigten Foday Sankoh am 16. Mai 2000 gefangen genommen. Hunderte Bewohner Freetowns brachen bei der Nachricht von seiner Festnahme in Jubel aus und versammelten sich vor dem Verteidigungsministerium, in dem der Rebellenführer festgehalten wurde.Die Rebellen der Vereinten Revolutionären Front (RUF) haben die letzten der rund 500 Anfang Mai in Sierra Leone gekidnappten Uno-Blauhelm-Soldaten freigelassen. Ein Uno-Sprecher erklärte am 29. Mai 2000, die 85 Entführten, die sich noch in der Gewalt der Rebellen befunden hatten, seien am Vorabend in der Hauptstadt Freetown eingetroffen. Uno-Generalsekretär Kofi Annan äußerte sich in New York erfreut über die Freilassung, forderte aber ein durchsetzungsfähigeres Mandat für Uno-Soldaten. Die Staaten der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) beschlossen, 3 000 Soldaten zur Unterstützung der Uno-Truppen nach Sierra Leone zu entsenden. |
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