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Nigerias ethnische Vielfalt entstand, weil Volksgruppen aus dem Sahel und dem südlichen Regenwald in das bereits von vielen Stämmen bewohnte Gebiet des heutigen Staates wanderten. Dort existieren seit über 2000 Jahren bedeutende Kulturen. Vom 11. Jahrhundert an errichteten die Hausa im Norden eigene Staaten mit ausgeprägter Stadtkultur. Anfang des 19. Jahrhunderts unterwarfen muslimische Fulani-Kämpfer die meisten Hausa-Reiche. Während sich bereits im 14. Jahrhundert im Norden und mit der Fulani-Herrschaft ab 1835 auch im Yoruba-Land im Süd-Westen der Islam ausbreitete, landeten Ende des 15. Jahrhunderts an der Küste portugiesische Kaufleute. Sie begannen damit, die Afrikaner zum Christentum zu bekehren und verschifften 3 Jahrhunderte lang Sklaven in die Neue Welt. Der Menschenhandel löste Kriege unter den Stämmen aus und führte zu großen Bevölkerungsverlusten. 1807 wurde die Sklaverei verboten. Mitte des 19. Jahrhundert gliederten die Briten Nigeria in ihr Kolonialreich ein. Die private "Royal Niger Company" erhielt die Verwaltungshoheit am Unterlauf  des Niger, Nord- und Südnigeria wurden 1914 als "Colony and Protectorate of Nigeria" vereinigt. Die Briten regierten mittel "indirekter Herrschaft": Sie machten vor allem im Norden die Emire, die traditionellen afrikanischen Autoritäten, zu ihren Statthaltern. Weil sie im Hausa-Fulani-Land jegliche Missionierung verboten, festigten sich dort die islamischen Feudalstrukturen. Der Süden dagegen entwickelte sich unter kolonialem christlichen Einfluß weiter - eine Erklärung für die bis heute herrschende Kluft zwischen dem traditionellen Norden und dem moderneren Süden. In den 20er Jahren gründeten westlich gebildete Nigerianer in Lagos die ersten antikolonialen Vereinigungen. In den 60er Jahren begann zwischen den 3 ethnischen Hauptgruppen der Kampf um politische Hegemonie. Nach der Unabhängigkeit 1960 beherrschte die Hausi-Fulani-Elite Nigerias erste Regierungen. 1966 putschten Ibo-Offiziere und töteten den Premier, einem Nordnigerianer. Als Reaktion kam es im Norden zu Progromen gegen die dort lebenden Ibo, woraufhin die Ibo-Region im Osten 1967 ihren eigenen Staat "Biafra" ausrief. Die Zentralregierung besiegte Biafra im folgenden Bürgerkrieg, in dem bis 1970 über eine Million Menschen starben. Der Krieg bestärkte die überwiegend aus dem Norden stammenden Militärs in ihrer Rolle als Bewahrer der nationalen Einheit und das expandierende Ölgeschäft machte das Regieren attraktiver. Wer regierte, wurde reich. Abgesehen von einer kurzen Unterbrechung behielten fortan Obristen die Macht im Staat. 1993 sollte die Macht an die Zivilisten zurückgegeben werden. Doch die Militärs brachen ihr Versprechen, als sich der Wahlsieg eines Kandidaten aus dem Süden abzeichnete: Yoruba Moshood Abiola wurde kaltgestellt und später eingekerkert, weil er sich selbst zum Präsidenten erklärte. Er starb im Juli 1998 kurz vor seiner angekündigten Freilassung. Seit 1993 führte General Sani Abacha ein besonders brutales Regime. Er ließ Opositionspolitker und Rivalen aus den Streitkräften einsperren oder zum Tode verurteilen. 1995 löste die Hinrichtung des Schriftstellers und Menschenrechtlers Ken Saro-Wiwa und 8 weitere Aktivisten des Ogoni-Volkes weltweite Proteste  aus; die Ogoni rebellieren gegen die Bundesbehörden und den Ölkonzern Shell, dessen Förderanlagen die Umwelt in ihrer bitterarmen Region zerstörten. Für den 1. Oktober 1998 hatte Abacha die Übergabe der Macht an Zivilisten versprochen. Doch der geplante Wechsel war offenbar ein Täuschungsmanöver: alle 5 zugelassenen Parteien nominierten - offenbar unter dem Druck der Militärs - Abacha als ihren alleinigen Präsidentschaftskandidaten. Der General wolle als Zivilist weiterregieren. Abacha starb, unerwartet, im Juni 1998. Sein Nachfolger, Generalstabschef Abdulsalam Abubakar, ist ein Karierresoldat ohne politischen Ambitionen. Dennoch mißtrauen die Nigerianer seinem Versprechen, die Macht tatsächlich an eine Zivilregierung abzugeben.

Bei dem Angriff christlicher Milizen auf Moslems in Nigeria sind am 02.05.2004 nach neuesten Angaben mindestens 630 Menschen getötet worden. Die Toten wurden in einem Massengrab in der Ortschaft Yelwa gefunden. Die Zahl der Toten könnte noch steigen.

Überschattet von schweren Manipulationsvorwürfen finden am 22.04.2007 in Nigeria Parlaments- und Präsidentenwahlen statt. Die Opposition wirft der Wahlkommission Parteilichkeit vor. Der scheidende Staats- und Regierungschef Olusegun Obasanjo, der nach acht Amtsjahren nicht wieder antreten darf, räumte Unregelmäßigkeiten bei den Regionalwahlen am vergangenen Wochenende ein. Der Urnengang soll den ersten demokratischen Machtwechsel in Nigeria seit der Unabhängigkeit 1960 einleiten. Erst 1999 waren drei Jahrzehnte Militärdiktatur in dem ölreichen Land in Westafrika zu Ende gegangen.


Hintergrundberichte:

30.11.2008 Hunderte Tote nach Kommunalwahl

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