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Wer zum ersten Mal nach Madagaskar kommt, könnte glauben, nicht in Afrika, sondern in Südostasien gelandet zu sein. Das zumindest suggerieren die Gesichter der Einwohner: Die Madagassen sind keine Afrikaner, sondern stammen von malaiisch-indonesischen Einwanderern ab, die vor rund 2000 Jahren die Insel besiedelten. Später nachkommende Afrikaner und Araber wurden assimiliert. Madagaskar ist die viertgrößte Insel der Welt und die größte, die einen eigenen Staat bildet - einen sehr armen Staat. Rund 75% der Einwohner leben unter der internationalen Armutsgrenze. Lange widersetzte sich Madagaskar allen Eroberungsversuchen der Europäer. Erst 1896 machten die Franzosen die Insel zur Kolonie, die sie 1960 wieder in die Selbständigkeit entließen. Der junge Staat versuchte es von 1972 an zunächst mit einem sozialistischen Regime; 1980 folgte eine Wiederannäherung an den Westen mit Wirtschaftsreformen, unterstützt von IWF und der Weltbank. Eine neue Verfassung machte Madagaskar 1992 zur Präsidialrepublik, deren erster Präsident allerdings nach 4 Jahren wegen Überschreitung seiner Kompetenzen des Amtes enthoben wurde. Sein gewählter Nachfolger, der frühere Militärmachthaber Didier Ratsiraka, wurde erst nach langem Zögern des Verfassungsgerichtes als neuer Präsident vereidigt. Das oberste Verfassungsgericht von Madagaskar hat am 28.04.2002 Marc Ravalomanana zum Sieger der Präsidentschaftswahlen vom Dezember erklärt. Eine Neuauszählung der Stimmen habe für ihn eine Mehrheit von 51,5 Prozent gegenüber 35,9 Prozent für den bisherigen Staatschef Didier Ratsiraka ergeben, erklärte das Gericht. Der unterlegene Ratsiraka will das Ergebnis jedoch nicht anerkennen. Dem Land, das zu den ärmsten der Welt gehört, droht nun ein Bürgerkrieg. Ratsirakas Anhänger sprengten oder verbarrikadierten bereits mehrere Brücken, um die Hauptstadt zu isolieren. Die Wirtschaft ist durch Streiks und Blockade weitgehend paralysiert. Armee und Polizei sind gespalten. Bisher gab es bei Auseinandersetzungen zwischen den Konfliktparteien 35 Tote.

Der Machtkampf in Madagaskar scheint nach sechs Monaten entschieden: Nach starkem diplomatischen Druck verließ der langjährige Präsident Didier Ratsiraka seine Heimat und traf am 14.06.2002 in Paris ein. Ratsirakas Nachfolger Marc Ravalomanana, dessen Wahl bereits im April vom madegassischen Verfassungsgericht bestätigt worden war, rief die Bevölkerung der Insel vor der Südostküste Afrikas zur "Versöhnung" auf. Einheiten des neuen Präsidenten zogen in die strategisch wichtige Hafenstadt Mahajanga im Nordwesten ein.

Ratsiraka, der von 1975 bis 1993 und erneut seit 1997 Präsident Madagaskars war, hatte den Sieg Ravalomananas bei der Neuwahl im Dezember nicht anerkannt. Am 13.06.2002 nutzte er überraschend ein Flugzeug, das von der französischen Regierung zur Verfügung gestellt worden war, um von Toamasina an der Ostküste nach Paris zu fliegen. Auf Fragen von Journalisten wollte er dort nicht antworten. Vor seiner Abreise aus Madagaskar hatte Ratsiraka gesagt, er werde in seine Heimat zurückkehren. In den madegassischen Rundfunksendern wurde jedoch am Freitag die Nachricht verbreitet: "Ratsiraka ist geflohen, Ratsiraka ist Vergangenheit."


Hintergrundberichte:

15.03.2009 Machtkampf um Armee und Polizei  Madagaskar steht vor einem Bürgerkrieg

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