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Machtkampf um Armee und Polizei 
Madagaskar steht vor einem Bürgerkrieg

Marc Engelhardt

15.03.2009. Überall Straßensperren in Antananarivo, Bürger, die sich mit Steinen und Stöcken bewaffnen - gestern sah es in Madagaskars Hauptstadt so aus, als stünde ein Bürgerkrieg kurz bevor. Mehr als 100 Menschen sind bereits ums Leben gekommen, seit der Machtkampf zwischen Präsident Marc Ravalomanana und seinem Herausforderer Andry Rajoelina im Januar begonnen hat. Während Rajoelina bei einer Demonstration vor 5 000 Anhängern unnachgiebig blieb, gab sich Ravalomanana gesprächsbereit. "Wenn es sein muss, werde ich eine Volksabstimmung ansetzen", sagte er vor 10 000 Unterstützern. "Ich habe keine Angst davor."

Als entscheidend für den Ausgang des politischen Machtkampfs gilt die Frage, wer das Militär kontrolliert. Am Freitag hatten Soldaten Panzer aufgefahren, aber nicht eingegriffen. "Natürlich kontrolliere ich das Militär", gab der 34-jährige Rajoelina, ehemaliger Bürgermeister der Hauptstadt, am Wochenende bekannt. Der demokratisch gewählte, aber zunehmend isolierte Ravalomanana hingegen konterte: "Ich habe die Kontrolle."

Tatsächlich scheint es, als sei die traditionell neutrale Armee genauso zerrissen wie die restliche Bevölkerung. Meuternde Soldaten unter der Führung von Colonel André Andrianarijaona drängten Premierminister Charles Rabemananjara aus dem Amt. Auf Seite des Präsidenten sammelt Verteidigungsminister Mamy Solofo Ranaivoniarivo Truppen hinter sich. Offenbar ist sich keine Seite einer Mehrheit sicher: Auf eine militärische Konfrontation wollte es jedenfalls zunächst niemand ankommen lassen.

Polizeichef Pily Gilbain versucht, eine ähnliche Spaltung von Polizei und Gendarmerie zu verhindern. Zugleich warnte Pily Ravalomanana und Rajoelina davor, ausländische Söldner einzufliegen. Während die wahre Entscheidung über die Zukunft Madagaskars also in den Händen der Sicherheitskräfte liegt, drohte Rajoelina vage mit "anderen Optionen". Doch seine Machtlosigkeit demonstrierte der ehemalige Radiomoderator am Sonnabend, als er erstmals nach seiner Flucht in die französische Botschaft öffentlich auftrat und den Präsidenten aufforderte, "binnen vier Stunden zurückzutreten". Vier Stunden später winkte Ravalomanana betont lässig aus dem Präsidentenpalast seinen dort versammelten Anhängern zu. Nichts passierte.

Zwar hat Rajoelina immer noch die generelle Unzufriedenheit mit der Regierung auf seiner Seite. Doch kämpfen oder gar sterben für Rajoelina wollen die wenigsten. Tourismus und Rohstoffindustrie, die beiden wichtigsten Devisenquellen des Inselstaats, liegen am Boden, und in der Hauptstadt Antananarivo, wo sich die meisten Bewohner als Taglöhner durchschlagen, ist die Armut noch größer als sonst schon im Land. "Ich wünschte mir, es würde endlich aufhören und alles wäre wieder so wie früher", stöhnt ein Taxifahrer, dem die Urlauber fehlen, die er früher gefahren hat.

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