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Unter osmanischer Herrschaft - die Jahrhunderte dauerte - gewann die Senussi-Bruderschaft, eine muslimische Erneuerungsbewegung, immer stärkeren Einfluß. Sie verhinderte auch 1912 nach dem italienisch-türkischen Krieg eine vollständige Inbesitznahme Libyens durch die Italiener. Die schafften das erst Mitte der 30er Jahre - nach blutigen Kämpfen. Im Zweiten Weltkrieg wurde Libyen erneut Kriegsschauplatz. Danach blieb Libyen unter britischer und französischer Besatzung, bis die UNO das Land mit Wirkung vom 24. Dezember 1951 zu einem Vereinigten Königreich machte. Am 1. September 1969 wurde König Mohammed Idris el-Sanussi durch einen militärischen Staatsstreich unter Führung von Muammar el-Gaddafi gestürzt. Gaddafi rief die Libysch-arabische Republik aus. Amerikaner und Briten mußten 1970 ihre Luftstützpunkte aufgeben, die letzten Italiener das Land verlassen. Die Erdölindustrie, ausländische Banken und Versicherungen wurden verstaatlicht, 1971 alle ausländischen Kultureinrichtungen geschlossen. Nach dem Tod Nassers 1970 versuchte Gaddafi, den ägyptischen Präsidenten als arabischer Führer zu beerben. Doch alle panarabischen Projekte scheiterten: Gaddafi setzte alles daraufhin zunehmend auf die wirtschaftspolitische Waffe Erdöl sowie auf internationalen Terrorismus und Versuche zur Destabilisierung schwächerer Staaten. Seit 1996 wird Gaddafi von den USA beschuldigt, südöstlich von Tripolis eine unterirdische Produktionsstätte für chemische Waffen zu bauen. Auch für den Absturz eines PanAm-Jumbos über dem schottischen Lockerbie im Dezember 1988 werden libysche Terroristen von den USA verantwortlich gemacht. Die innenpolitische Lage bleibt angespannt. Mehrfach wurde über Proteste und Aufstände gegen Gaddafi berichtet. die Unzufriedenheit der Bevölkerung resultiert aus der sich verschlechternden wirtschaftlichen Situation und der weitgehenden Ächtung Libyens durch das Ausland. Nach 18 Jahren haben die USA am 23.04.2004 ihre Sanktionen gegen Libyen weitgehend aufgehoben. Damit werde der Verzicht Libyens auf die Herstellung von Massenvernichtungswaffen gewürdigt, teilte das Weiße Haus in Washington mit. Von nun an dürften US-Firmen wieder Geschäfte in dem nordafrikanischen Land machen. Die Exporte aber bleiben beschränkt. Die Staatsanwaltschaft in der libyschen Hauptstadt Tripolis hat am 29.08.2006 die Todesstrafe für fünf bulgarische Krankenschwestern und einen palästinensischen Arzt gefordert. Den fünf Schwestern und dem Arzt wird vorgeworfen, 426 Kindern in einem Krankenhaus in Benghasi bewusst HIV-verseuchte Transfusionen verabreicht haben. Die Angeklagten, die ihre Schuld bestreiten, sitzen seit 1999 im Gefängnis. Siehe auch unseren Hintergrundbericht hier. Der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi will vom kommenden Jahr an jeder Familie in Libyen einen kleinen Teil der Einnahmen der staatlichen Ölgesellschaft zukommen lassen. In einer Rede zum 39. Jahrestag der Revolution, die er am 30.08.2008 in der Stadt Bengasi hielt und die von der staatlichen Nachrichtenagentur JANA veröffentlicht wurde, sagte er: «Jeder Bürger wird dann selbst Verantwortung tragen». Erst durch die Verteilung des Geldes werde das Ideal der Herrschaft des Volkes erreicht, fügte er hinzu. Gaddafi, der in der arabischen Welt für seine großen Visionen und bizarren Ideen bekannt ist, sagte, die Libyer könnten dann mit ihrem Geld private Unternehmen gründen, etwa in der Bauwirtschaft. Libyen hat nach Angaben des US-Außenministeriums vom 31.10.2008 die vereinbarte Entschädigung für die Opfer libyscher Terroranschläge in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar (1,18 Milliarden Euro) gezahlt. US-Präsident George W. Bush habe die Auszahlung der Entschädigungen an Opfer und Hinterbliebene des Lockerbie-Flugzeugattentats (1988) und des Anschlags auf die Berliner Diskothek «La-Belle» (1986) in die Wege geleitet, erklärte der Sprecher des US-Außenministeriums, Sean McCormack, am Freitag in Washington. Libyens Bereitschaft zur Zahlung der Gelder sei «ein Meilenstein in unseren bilateralen Beziehungen» und eröffne den Ausbau der amerikanisch-libyschen Partnerschaft. «Heute ist Libyen ein wichtiger Partner bei der gemeinsamen Anstrengung gegen den Terrorismus und dient auch als Modell für Länder, die Isolation vermeiden und sich in die Gemeinschaft der Staaten wieder einfügen möchten», heißt es in der Erklärung des US-Außenministeriums. Hintergrundberichte:
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