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Ethnische Säuberungen im Westen Kenias
06.01.2008. Wo sonst in Nakuru Bauern ihre Produkte ausstellen, kampieren seit einigen Tagen Tausende von Menschen. Vor allem Kikuyu, Angehörige der Volksgruppe des umstrittenen Präsidenten Mwai Kibaki, sind vor Verfolgungen aus den Dörfern in die viertgrößte Stadt des Landes geflohen. Auch gestern kamen immer wieder Busse mit Vertriebenen aus den Landstrichen aus dem Westen an, wo die Kikuyu eine Minderheit sind. Was sie erzählen, ähnelt sich. Es sind Geschichten von einer regelrechten Hetzjagd auf Kikuyu. Auch Marcus Prior, der für das Welternährungsprogramm in der westkenianischen Stadt Eldoret ist, registriert täglich neue Flüchtlinge. "Wir brauchen vor allem Hochenergie-Nahrung für Kinder, die von Unterernährung bedroht sind", sagt er. 40 Prozent der Vertriebenen sind Kinder, ihre Familien haben die Häuser meist überstürzt verlassen und sind komplett mittellos. Zwischen den Kalenjin, die in der Region die Mehrheit stellen und die Opposition gewählt haben, und den Kikuyu herrscht seit der Ausrufung von Kibaki zum Wahlsieger offener Krieg. "Die Kikuyu respektieren keine andere Ethnie", warnt der Kalenjin-Älteste John Sang. "Wir wollen, dass sie dahin zurück gehen, woher sie gekommen sind." 250 000 Menschen auf der Flucht Die Studentin Grace, deren Vater wie Oppositionsführer Raila Odinga zur Volksgruppe der Luo gehört und deren Mutter Kikuyu ist, schluchzt hemmungslos: "Meine Mutter lebt seit 30 Jahren in der Nähe von Kisumu, jetzt hat man sie als Kikuyu-Hure beschimpft, ihr Geschäft abgefackelt und das Haus niedergerissen. Ich weiß nicht mal mehr, ob sie noch am Leben ist." Grace studiert in Mombasa, auch sonst mehr als eine Tagesreise von Kisumu am Viktoriasee entfernt. Doch im Moment gibt es keine Busse, und fährt doch einer, haben sich die Ticketpreise verdoppelt oder verdreifacht. Wer flieht, beginnt seinen Treck deshalb oft zu Fuß. Die UN sprechen von mindestens 250 000 Vertriebenen im Land. Das Welternährungsprogramm schickte 20 voll beladene Lkw unter Polizeischutz mit Lebensmitteln aus Mombasa los, um zumindest einen Teil zu versorgen. Ghanas Präsident will vermitteln Eine politische Einigung zwischen Regierung und Opposition ist nicht in Sicht. Odinga erklärte zwar seine Bereitschaft, mit Kibaki zu verhandeln - allerdings nur unter internationaler Vermittlung. "Um die Krise beizulegen, sind wir zu Gesprächen bereit, und ich bin sogar willens, Herrn Kibaki in die Regierung aufzunehmen", sagte er. Er habe kein Problem damit, die Macht zu teilen. Kibaki und Odinga beanspruchen beide den Sieg bei der Wahl vom 27. Dezember. Die Opposition wirft Kibaki massiven Wahlbetrug vor. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch forderte eine unabhängige und transparente Überprüfung des Wahlergebnisses. 27 kenianische Bürgerrechtsgruppen sprachen sich ebenfalls gegen eine Anerkennung von Kibakis Wahl vor einer Woche aus. Ghanas Präsident John Kufuor, derzeit auch Vorsitzender der Afrikanischen Union, ließ am Wochenende mitteilen, er werde vielleicht schon morgen nach Kenia fliegen, um zwischen beiden Seiten zu vermitteln. |
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