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Das Land in Zentralafrika ist, anders als die meisten schwarzafrikanischen Staaten, keine willkürliche Schöpfung der Kolonialherren, sondern war schon jahrhundertelang ein selbständiges Königreich, als es 1899 gemeinsam mit dem benachbarten Ruanda als Protektorat Ruanda-Urundi Teil Deutsch-Ostafrikas wurde. Damals war die Welt für die wichtigsten ethnischen Gruppen , die Hutu und Tutsi, noch in Ordnung; es gab sogar stammesübergreifende Ehen. 1916, im Ersten Weltkrieg, eroberten belgische Truppen das Protektorat. Doch die Belgier, denen der Völkerbund 1919 die Verwaltung des Gebiets übertrug, setzten das System des indirekten Regierens fort, was zur Folge hatte, daß die Minderheit der Tutsi über die Mehrheit der Hutu herrschte. 1962 wurden aus Ruanda-Urundi die beiden selbständigen Staaten Ruanda und Burundi und schon bald eskalierten die Spannungen zwischen Hutu und Tutsi. 1965 wird der Hutu-Premier eine Woche nach Amtsantritt ermordet. Bei den nachfolgenden Wahlen triumphieren die Hutu, doch der König setzte einen Tutsi-Premier ein. Ein Umsturzversuch von Hutu-Gendarmen wird blutig niedergeschlagen, nahezu die gesamte politische Elite der Hutu umgebracht. Ein Jahr später wird der König von seinem eigenen Sohn gestürzt, der einen Offizier zum Premier macht. Doch der - Undank ist der Welten Lohn - jagte den König aus dem Amt und machte Burundi zur Republik. Mit der Monarchie verliert das Land die letzte Institution, mit der sich nahezu alle Burundier hatten identifizieren können. Allein beim ersten Massaker 1972 starben über 300.000 Burundier als Folge der Stammesfehden. Bis 1993 blieben die Militärs an der Macht. Der erste freigewählte Premier, ein Hutu, wurde schon nach wenigen Monaten von den Militärs ermordet. Im Land bricht ein unkontrollierbares Chaos aus, so daß ein neuer, vom Parlament gewählter Präsident vom Militär akzeptiert wird. Doch bereits im April 1994 wird Präsident Ntaryamira gemeinsam mit dem Präsidenten von Ruanda in dessen Flugzeug abgeschossen. Die Massaker beginnen erneut - mehr als 200.000 Menschen kommen ums Leben. Die Armee putscht erneut am 25. Juli 1996. Buyoya, bis 1993 an der Macht, kehrt zurück, löst das Parlament auf und verbietet alle Parteien. Längst ist Burundi eines der ärmsten Länder Afrikas. Doch die Stammenfehden zwischen Hutu und Tutsi gehen weiter. Noch ist nicht zu erkennen, ob und wann das Militär die Macht wieder in zivile Hände legen wird. Mehrere Präsidenten afrikanischer Staaten haben am 28.03.2000 einen neuen Anlauf unternommen, den seit mehr als sieben Jahren tobenden Krieg in Burundi durch Verhandlungen zu beenden. Das Treffen in der tansanischen Stadt Arusha findet auf Initiative von Nelson Mandela statt. Nigerias Staatschef Obasanjo appellierte an die Militärs in Burundi, sich aus der Politik zurückzuziehen. In Burundi sind seit Kriegsbeginn mehr als 200.000 Menschen getötet worden. Hutu-Rebellen bekämpfen die von der Tutsi-Minderheit gestellte Regierung. Aktuelle Entwicklung: Der frühere Hutu-Rebellenführer Pierre Nkurunziza wird neuer Präsident von Burundi. Die Senatoren in der Hauptstadt Bujumbura wählten Nkurunziza am 19.08.2005 mit 151 zu neun Stimmen zum Staatsoberhaupt. Nach 12 Jahren Krieg gibt es damit erstmals wieder die Chance auf eine friedliche Entwicklung. Der 41-jährige ehemalige Sportdozent und Ex-Fußballer Nkurunziza ist der zweite demokratisch legitimierte Präsident Burundis seit der Unabhängigkeit 1962. Der neue Mann steht vor schwierigen Aufgaben: Das Land hat 30 Jahre Diktatur durch Vertreter des Volkes der Tutsi hinter sich, die einen Bürgerkrieg mündete - ausgetragen vor allem zwischen Tutsi und dem Mehrheitsvolk der Hutu. Rund 300 000 Menschen kamen um. Nkurunziza muss nicht nur die Wirtschaft der Kaffeenation ankurbeln, sondern er sollte auch die Aufklärung der zahlreichen Menschenrechtsverbrechen in Gang setzen. Ob der frühere Rebellenchef daran ein gesteigertes Interesse hat, darf bezweifelt werden. Seine Guerillaarmee wird ebenso für Massaker verantwortlich gemacht wie die lange Zeit von Tutsis beherrschte staatliche Armee. Nkurunziza ist durch die Verfassung gezwungen, auch unterlegene Gruppen, vor allem die seit zwei Jahren regierende Hutu-Partei Frodebu, in seine Regierung einzubinden. Er hat zwar Versöhnung und Machtteilung versprochen, lässt aber ansonsten keinen Zweifel daran, dass er mit harter Hand die Führung der Regierung übernehmen will. Nkurunziza hat allen Grund sich stark zu fühlen. Die meisten Hutu glauben, er und seine Rebellenarmee hätten den Bürgerkrieg für sie gewonnen. Nach Ansicht des Burundi-Experten der International Crisis Group, Jason Stearns, hängt der Frieden in Burundi nun von zwei Faktoren ab: Wird Nkurunziza wie angekündigt einen Vermittlungskurs zwischen den Lagern fahren, oder aber autoritär durchgreifen und damit neue Fronten schaffen? Eine ebenso wichtige Frage ist, ob es dem jugendlich wirkenden Staatschef gelingen wird, die Armee zu einer unpolitischen und disziplinierten Profitruppe zu machen. Hinzu kommt das Flüchtlingsproblem: Seit Wochen strömen aus Tansania Zehntausende Burundier zurück in ihre Heimat. Ihre Aufnahme und den Aufbau von Straßen, Schulen und Kliniken hat Nkurunziza als vordringlich bezeichnet. |
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